Urteil vom 08.05.2003 -
BVerwG 2 WD 45.02ECLI:DE:BVerwG:2003:080503U2WD45.02.0

  • Zitiervorschlag

    BVerwG, Urteil vom 08.05.2003 - 2 WD 45.02 [ECLI:DE:BVerwG:2003:080503U2WD45.02.0]

Urteil

BVerwG 2 WD 45.02

In dem gerichtlichen Disziplinarverfahren hat der 2. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts in der nichtöffentlichen Hauptverhandlung am 8. Mai 2003, an der teilgenommen haben:
Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Pietzner,
Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Widmaier,
Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Deiseroth
sowie
Oberstleutnant Weißenbach,
Hauptfeldwebel Bader
als ehrenamtliche Richter,
Leitender Regierungsdirektor Mühlbächer
als Vertreter des Bundeswehrdisziplinaranwalts,
Rechtsanwalt Weber, München,
als Verteidiger,
Justizangestellte Kairies
als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle,
für Recht erkannt:

  1. Die Berufung des Soldaten gegen das Urteil der ... Kammer des Truppendienstgerichts ... vom 21. März 2002 wird zurückgewiesen.
  2. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Soldaten auferlegt.

Gründe

I

II

Mit Urteil des Landgerichts A. - Az.: ... Ns ... Js .../00 - wurde der Soldat in der Berufungshauptverhandlung vom 5. Juli 2001, rechtskräftig seit 13. Juli 2001, wegen fahrlässigen Falscheids gemäß § 163 StGB zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 110 DM verurteilt.
In dem mit Verfügung des Befehlshabers im Wehrbereich ... vom 11. September 2001 ordnungsgemäß eingeleiteten sachgleichen gerichtlichen Disziplinarverfahren fand die ... Kammer des Truppendienstgerichts ..., ausgehend von der Anschuldigungsschrift vom 7. November 2001, den Soldaten eines Dienstvergehens schuldig, setzte ihn in den Dienstgrad eines Feldwebels herab und verkürzte die Frist zur Wiederbeförderung auf zwei Jahre.
Die Truppendienstkammer legte dabei folgende gemäß § 84 Abs. 1 WDO bindenden Feststellungen des Urteils des Landgerichts A. vom 5. Juli 2001 zugrunde:
„Am 13.06.1999 gegen 1.30 Uhr kam es anlässlich des Volksfestes in N. auf dem Festplatz zu einer Auseinandersetzung, die das Eingreifen des Security-Personals erforderte. In dessen Verlauf schlug der Security-Bedienstete Markus S. dem Geschädigten Jürgen S., einem Volksfestbesucher, nachdem dieser von Markus S. zuvor zu Boden geschubst worden war (und) ohne jegliche Angriffshandlung sich gerade wieder erheben wollte, ohne rechtfertigenden Grund mit einer großen Stabtaschenlampe von oben auf den Kopf.
...
Der Angeklagte Karl S., Bruder des seinerzeitigen Angeklagten Markus S., äußerte in der vorgenannten Hauptverhandlung vom 17.05.2000 - im Unterschied zum Angeklagten und seinerzeitigen Zeugen Roland E. unter Eid - er habe mitbekommen, dass seinem Bruder etwas heruntergefallen sei, wonach dieser gesucht habe. Der Geschädigte S. sei aufgesprungen und auf seinen Bruder, den Angeklagten zugegangen. Daraufhin habe sich sein Bruder beim Hochgehen mit der Lampe in der Hand umgedreht. Der Zeuge gab an, nicht gesehen zu haben, wie die Lampe auf den Kopf des Geschädigten S. kam, da dieser sich zwischen ihm und seinem Bruder befunden habe. Er glaube, dass die Platzwunde des Geschädigten S. nicht aus einer Drehbewegung heraus habe verursacht werden können.
Diese Aussage des ... Karl S. war jedenfalls insoweit unrichtig, als der Geschädigte S. bereits im Aufstehen von Markus S. mit einer Stabtaschenlampe auf den Kopf geschlagen worden, ein etwaiges Sichbücken des Markus S. also bereits vor dem Abschluss des Aufstehvorgangs des Geschädigten S. abgeschlossen war und dieser nicht im Hochgehen von dem bereits aufgestandenen Geschädigten S. angegriffen wurde.
Bei Anwendung der ihm möglichen und zumutbaren Sorgfalt hätte der Zeuge S. die Unrichtigkeit seiner Angaben erkennen können.”
Darüber hinaus traf sie folgende tatsächliche Feststellungen:
„Der Soldat erklärte eingangs, dass seinem seit 1995 bestehenden, als Nebentätigkeit genehmigten Sicherheitsunternehmen in N. zum Tatzeitpunkt neben seinem Bruder, Markus Siegfried S., ein Herr G. und ein Herr E. als feste Mitarbeiter angehörten. Am Samstag/Sonntag, den 12. und 13. Juni 1999, war das Sicherheitsunternehmen des Soldaten beauftragt, eine Veranstaltung auf dem N.er Messegelände zu beaufsichtigen; für die Dauer einer solchen Veranstaltung wird dem Unternehmen in der Regel von der Stadt wie in diesem Falle oder dem jeweiligen Veranstalter das Hausrecht übertragen. Außerdem sind die Angehörigen des Sicherheitsunternehmens verpflichtet, eine uniformartige Bekleidung zu tragen. Während er als Geschäftsführer nach der Gewerbeordnung jährlich an einer 5-tägigen Schulung teilnehmen müsse, müssten seine Mitarbeiter im Bereich ‚Bewachung’ vor ihrem Einsatz eine 3-tägige Schulung bei der IHK absolvieren; darüber hinaus würden alle Mitarbeiter der Firma im Abstand von 3 Monaten in einem Seminar weitergebildet.
In dieser Tatnacht, am 13. Juni 1999 vor 1.30 Uhr, liefen der Soldat und Herr E. sowie getrennt davon der Bruder des Soldaten mit Herrn G. jeweils Streife über das o.g. Festgelände, wobei sie über eine Sprechfunkanlage untereinander verbunden waren. Als dem Soldaten dieser Zwischenfall auf dem Festgelände über Funk gemeldet wurde, stellte sich ihm das Geschehen bei seinem Eintreffen am Ort der Auseinandersetzung wie folgt dar:
Der später verletzte Herr S. ging herausfordernd auf einen Kon-trahenten zu, und nachdem er zunächst von Freunden zurückgehalten worden war, wurde er durch seinen Bruder zurückgestoßen, wobei er beim zweiten Zurückstoßen zu Boden fiel. Der Soldat sagte dann weiter aus, er habe, da er den Hergang dieser Auseinandersetzung durch die herumstehenden Personen nur ungenau (habe) verfolgen können, im weiteren Verlauf aber gesehen, dass eine Person blutend auf dem Boden lag. Er übernahm sofort die Versorgung und verband den Verletzten mit einer Mullbinde; ein anderer Mitarbeiter seines Unternehmens verständigte die Polizei. Während der Soldat von seinem Bruder und den anderen Angehörigen seines Sicherheitsunternehmens auf Streife den im Tatvorwurf des sachgleichen Urteils geschilderten Ablauf erzählt bekommen hatte, und auch in das Protokoll über derartige Zwischenfälle an das zuständige Ordnungsamt als „Dienstbericht N.er Messe“ aufgenommen hatte, erklärte ihm der geschädigte Herr S. später, er sei, als er sich vom Boden gerade wieder erheben wollte, von seinem Bruder mit einer Taschenlampe auf den Kopf geschlagen worden.
Der Soldat äußerte abschließend noch, nicht nur bei der firmeninternen Auswertung der Ereignisse sei ihm der tatsächliche Ablauf dieser Auseinandersetzung, sondern auch bei der Auswertung dieser Geschehnisse in dem Jahr bis zur Hauptverhandlung gegen seinen Bruder nicht dargestellt worden, so dass er erst vor seiner eigenen Hauptverhandlung beim AG N. den wirklichen Ablauf der Ereignisse von seinem Bruder erfahren hat, was das Verhältnis zu ihm, der nicht mehr in seinem Unternehmen beschäftigt sei, gestört habe.
Die Kammer sah keinen Anlass, von den rechtskräftig feststehenden Ausführungen im Urteil des LG A. nach § 84 Abs. 1 Satz 2 WDO abzugehen; denn der Soldat ließ zumindest die im Rechtsverkehr erforderliche Sorgfalt gerade als Leiter eines Sicherheitsunternehmens bei den Recherchen über diesen Vorfall mit den widersprüchlichen Aussagen vor seiner damaligen trotz seines Aussageverweigerungsrechts nach § 52 StPO und mit dem Eid bekräftigten Falschaussage außer Acht, wobei er selber ausgesagt hat, seine eigenen - lückenhaften - Wahrnehmungen dabei mit den Erklärungen seines Bruders und seiner Mitarbeiter ‚ausgebaut’ zu haben.”
Die Kammer würdigte das Verhalten des Soldaten als fahrlässigen Verstoß gegen die Achtungs- und Vertrauenswahrungspflicht im außerdienstlichen Bereich nach § 17 Abs. 2 Satz 2 SG und somit als Dienstvergehen gemäß § 23 Abs. 1 SG.
Zur Maßnahmebemessung führte die Kammer im Wesentlichen aus:
Es sei als schweres Dienstvergehen anzusehen, wenn ein Soldat, dem aufgrund seiner Vorgesetztenstellung als Portepee-Unteroffizier vorbildliche Haltung und Pflichterfüllung geboten seien (§ 10 Abs. 1 SG), als Zeuge vor Gericht fahrlässig die Unwahrheit sage. Der Soldat habe auch dienstlich einen schwerwiegenden Pflichtenverstoß dadurch begangen, dass er es unternommen habe, die Wahrheitsfindung durch das Gericht zu vereiteln. Durch seinen Versuch, eine falsche Entscheidung des Gerichts zu Lasten Dritter herbeizuführen, habe er einem anderen Staatsorgan bei der ordnungsgemäßen Erfüllung seiner Aufgaben entgegengewirkt und zugleich andere Personen in ihrem Schutz vor Unverletzlichkeit beeinträchtigt. Ein Soldat, der unbedenklich die Wahrheitsfindung durch das Gericht vereitele oder, wie hier, zumindest erschwere, untergrabe damit zugleich seine Glaubwürdigkeit im dienstlichen Bereich, der gerade für das Soldatenverhältnis - wie aus der in keinem anderen Pflichtenkatalog zu findenden ausdrücklichen Normierung in § 13 SG (Wahrheitspflicht in dienstlichen Angelegenheiten) zu entnehmen sei - besondere Bedeutung zukomme. Er offenbare darüber hinaus erhebliche Charaktermängel, die für das auf gegenseitige Treue angelegte Wehrdienstverhältnis ebenfalls beachtlich seien.
Zwar käme die - bei Meineid regelmäßig gebotene - Entfernung aus dem Dienstverhältnis bei fahrlässiger falscher eidlicher Aussage allenfalls bei ganz erheblichen Erschwerungsgründen in Betracht, die im vorliegenden Fall nicht festzustellen seien. Eigenart und Schwere eines derartigen Fehlverhaltens geböten aber die Dienstgradherabsetzung. Ein Soldat disqualifiziere sich dadurch regelmäßig als Vorgesetzter und sei deshalb grundsätzlich in einen Mannschaftsdienstgrad herabzusetzen. Erschwerend berücksichtigte die Kammer, dass der Soldat als Angehöriger des militärischen Ordnungsdienstes eine besondere Pflicht zur Wahrheit nicht nur in dienstlichen Angelegenheiten, sondern allgemein zu beachten habe. Außerdem habe er es als Unternehmensleiter an der gebotenen Neutralität gegenüber seinen Mitarbeitern fehlen lassen, und er sei zugleich einer versuchten Strafvereitelung verdächtigt worden, die hier nur - da zugunsten eines Angehörigen begangen - straffrei bleibe. Auch seien die dienstlichen Folgen nicht unerheblich, denn er sei zwar weiter als Ausbilder an der SFJg/StDst eingesetzt worden, aber der Kdr FJgBtl ... habe aufgrund dessen eine Versetzung auf eine ZgFhr-Stelle bei der ... Kompanie in S., die seine Beförderung zum Hauptfeldwebel ermöglicht hätte, von vornherein abgelehnt. Schließlich habe der Soldat - nach seinen Aussagen bewusst - trotz der für ihn nicht klaren Beweislage - nicht von seinem ihm gesetzlich zustehenden Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.
Tatmildernd bewertete die Kammer die nur fahrlässige Begehungsweise des Eidesdelikts. Ferner wurde berücksichtigt, dass es auf die Aussage des Soldaten nicht angekommen sei, da ihm der Amtsrichter in dem Strafverfahren gegen seinen Bruder letztlich nicht geglaubt habe. Auch sei die erfolgte Vereidigung, von der nach § 61 Nr. 2 StPO jederzeit hätte abgesehen werden können, unfürsorglich gewesen. Entlastend bewertete die Kammer auch die Aussagen des Soldaten, dass er sich von seinem Bruder hintergangen fühle und sich von ihm zwischenzeitlich geschäftlich und privat getrennt habe. Für den Soldaten sprächen in seiner Person zudem die beiden förmlichen Anerkennungen, die deutlich überdurchschnittlichen bis zuletzt guten Beurteilungen, die zwei mit „gut”, einmal sogar als Hörsaalbester bestandenen Laufbahnlehrgänge sowie der sehr gute Leumund, der ihm von seinem früheren stellvertretenden Disziplinarvorgesetzten ausgesprochen worden sei. Seine Nachbewährung auf einem höheren Posten als Zugführer und sein Geständnis in der Hauptverhandlung wertete die Kammer ebenfalls zugunsten des Soldaten. Unter Abwägung aller gegen und für den Soldaten sprechenden Umstände kam die Kammer zu dem Schluss, dass die gebotene Degradierung des Soldaten auf den nächst niedrigeren Dienstgrad beschränkt bleiben könne. Aufgrund der mildernden Umstände kürzte sie die Sperrfrist für die Wiederbeförderung zum Oberfeldwebel nach § 62 Abs. 3 Satz 2 WDO ab.
Gegen dieses dem Soldaten am 10. Mai 2002 ausgehändigte Urteil hat sein Verteidiger mit Schriftsatz vom 3. Juni 2002, der am selben Tag beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen ist, maßnahmebeschränkte Berufung eingelegt und beantragt, unter Aufhebung des Urteils des Truppendienstgerichts ... den Soldaten lediglich zu einem langfristigen Beförderungsverbot zu verurteilen.
Zur Begründung hat der Verteidiger im Wesentlichen vorgetragen:
Aufgrund der Beschränkung der Berufung auf die Maßnahmebemessung stehe der vom Truppendienstgericht ... ermittelte Sachverhalt bindend fest.
Zwar sei daher eine reinigende Maßnahme zum Ausgangspunkt der Maßnahmebemessung zu machen. Es lägen aber ganz erhebliche Milderungsgründe in der Tat und insbesondere in der Person des Soldaten vor, die eine Degradierung nicht unbedingt notwendig machten.
Der von dem Soldaten als Zeuge im Strafverfahren gegen seinen Bruder bestätigte Sachverhalt sei ihm - dem Soldaten - von seinem Bruder und anderen Angehörigen seines Sicherheitsunternehmens noch am Abend so geschildert worden, auch bei der späteren firmeninternen Auswertung und in der Folgezeit. Erst vor seiner eigenen Hauptverhandlung beim Amtsgericht N. habe er, der Soldat, den - wahren - Ablauf der Ereignisse von seinem Bruder erfahren, woraufhin das Verhältnis zum Bruder nunmehr gestört sei.
Ihm sei daher nur der Vorwurf zu machen, dass er fahrlässig nicht so ausgesagt habe, wie er selbst den Tatablauf wahrgenommen habe, sowie dass er seinem Bruder und einem Mitarbeiter geglaubt habe. Im Übrigen erscheine es außergewöhnlich, dass der Amtsrichter ihn im Strafverfahren gegen den Bruder vereidigt habe, obwohl aufgrund des engen Verwandtschaftsverhältnisses Aussagen immer mit größter Vorsicht behandelt werden müssten. Letztendlich habe er, der Soldat, nicht aus Eigennutz gehandelt. Ihm stünden angesichts seiner überdurchschnittlichen dienstlichen Leistungen auch erhebliche Milderungsgründe in der Person zur Seite, zumal er zeitweise auf einem höherem Dienstposten eingesetzt worden sei und sich dort bewährt habe. Er habe auch erhebliche berufliche Nachteile erlitten; die zum 1. Oktober 2001 vorgesehene Beförderung zum Hauptfeldwebel sei lediglich wegen des laufenden gerichtlichen Disziplinarverfahrens nicht erfolgt. Unter Abwägung aller für und gegen ihn, den Soldaten, sprechenden Maßnahmebemessungsgründe erscheine es vertretbar, ihm ein langfristiges Beförderungsverbot aufzuerlegen.

III

1. Die Berufung ist zulässig. Sie ist statthaft, ihre Förmlichkeiten sind gewahrt (§115 Abs. 1 Satz 1, § 116 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 WDO).
2. Das Rechtsmittel des Soldaten ist ausdrücklich und nach dem maßgeblichen Inhalt seiner Begründung auf die Bemessung der Disziplinarmaßnahme beschränkt worden. Der Senat hatte daher die Tat- und Schuldfeststellungen sowie die rechtliche Würdigung der Truppendienstkammer seiner Entscheidung zugrunde zu legen und unter Beachtung des Verschlechterungsverbots nur noch über die angemessene Disziplinarmaßnahme zu befinden (§ 91 Abs. 1 Satz 1 WDO i.V.m. § 327, § 331 Abs. 1 StPO).
3. Die Berufung des Soldaten ist nicht begründet. Das Truppendienstgericht hat den Soldaten zu Recht in den Dienstgrad eines Feldwebels herabgesetzt und die Frist für die Wiederbeförderung auf zwei Jahre festgesetzt.
Bei Art und Maß der Disziplinarmaßnahme sind nach § 58 Abs. 7 i.V.m. § 38 Abs. 1 WDO Eigenart und Schwere des Dienstvergehens und seine Auswirkungen, das Maß der Schuld, die Persönlichkeit, die bisherige Führung und die Beweggründe des Soldaten zu berücksichtigen.
a) Das Dienstvergehen des Soldaten wiegt schwer. Der Soldat hat dadurch, dass er in dem strafrechtlichen Verfahren gegen seinen Bruder vor dem Amtsgericht N. (Az.: Cs ... Js .../99) als Zeuge fahrlässig die Unwahrheit sagte und diese Aussage beeidete, gegen seine Pflicht verstoßen, sich außer Dienst so zu verhalten, dass er die Achtung und das Vertrauen, die seine dienstliche Stellung erfordert, nicht ernsthaft beeinträchtigt (§ 17 Abs. 2 Satz 2 SG). Diesem Fehlverhalten kommt ein hoher Unrechtsgehalt zu. Wer vor Gericht falsch schwört, erschwert die Wahrheitsfindung durch das Gericht oder macht sie gar unmöglich. Er nimmt in Kauf, dass damit eine Fehlentscheidung herbeigeführt werden kann, die geeignet ist, das Vertrauen in die staatliche Rechtspflege zumindest bei den Betroffenen zu erschüttern.
Zu den Grundpflichten jedes Zeugen - zumal eines Soldaten - gehört, die staatlichen Gerichte bei der Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben zu unterstützen. Hinzu kommt, dass ein Soldat mit einer eidlichen Falschaussage zeigt, dass man sich auf seine Glaubwürdigkeit nicht verlassen kann. Dies ist für sein Dienstverhältnis von erheblicher Bedeutung, was nicht zuletzt die Bestimmung des § 13 Abs. 1 SG belegt. Sie macht deutlich, welche Bedeutung der Gesetzgeber der Pflicht jedes Soldaten zu wahrheitsgemäßen Angaben und Bekundungen beimisst (Urteile vom 13. Dezember 1972 - BVerwG 2 WD 30.72 - <BVerwGE 46, 41> m.w.N.; vom 25. September 1987 - BVerwG 2 WD 24.87 -).
Zu Lasten des Soldaten wirkt sich ferner aus, dass er als Vorgesetzter gemäß § 10 Abs. 1 SG in seiner Haltung und Pflichterfüllung ein Beispiel zu geben hatte und darin versagte.
b) Zwar hatte die Falschaussage des Soldaten in dem u.a. gegen seinen Bruder Markus S. geführten Strafverfahren Cs ... Js .../99 vor dem Amtsgericht N. (Urteil vom 17. Mai 2000) keinen unmittelbaren Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens, da das Amtsgericht die Aussage als „offensichtlich falsch” wertete und ihr nicht folgte. Dies kann den Soldaten aber nicht entlasten, denn es war nicht sein Verdienst, dass die wahrheitsgemäßen Aussagen anderer Zeugen ein Fehlurteil verhinderten (vgl. Urteil vom 13. Dezember 1972 - BVerwG 2 WD 30.72 - <a.a.O. [45]>).
Das Dienstvergehen hatte Auswirkungen auf den Dienstbetrieb und den beruflichen Werdegang des Soldaten. Seine geplante Versetzung auf den Dienstposten eines Hauptfeldwebels bei der .../FJgBtl ... unter vorheriger Verwendung bei der ... Kompanie dieses Bataillons in U. konnte nicht mehr durchgeführt werden. Stattdessen wurde er in die ... Kompanie des Feldjägerbataillons ... (vorher ...) als S 3-Fw „zur besonderen Verwendung (zbV)” versetzt. Solche Maßnahmen führen zwangsläufig zu weiteren nicht unwesentlichen Änderungen in der Personalplanung des Dienstherrn. Diese für die Personalplanung und -führung nachteiligen Auswirkungen seines Dienstvergehens muss sich der Soldat zurechnen lassen (vgl. Urteil vom 2. April 2003 - BVerwG 2 WD 21.02 -).
c) Ausgangspunkt für die Beurteilung der Schuld des Soldaten ist die festgestellte fahrlässige Begehensweise der Tat. Dabei ist zu Lasten des Soldaten zu berücksichtigen, dass es sich im vorliegenden Fall um ein Dienstvergehen an der „oberen Grenze” der Fahrlässigkeit handelt. Selbst wenn er fahrlässiger-weise vom Geschehensablauf - so wie er ihn beschrieb - überzeugt war, so musste er jedenfalls als Zeuge bekunden, dass er nicht eigenes, sondern erzähltes „Wissen” vor Gericht wiedergab und beeidete. Zumindest darauf hätte er das Gericht aufmerksam machen müssen. Abgesehen davon, dass der von ihm wiedergegebene - angebliche - Geschehensablauf schon für sich genommen sehr konstruiert und lebensfremd wirkte, war der Soldat zudem - wie er in der Berufungshauptverhandlung ausdrücklich eingeräumt hat - damals selbst nicht davon überzeugt, dass die Verletzung des Herrn S. durch eine bloße Drehbewegung seines Bruders hervorgerufen sein konnte. Vielmehr hatte er selbst angenommen, dass sie von einem Schlag herrühren musste. Dies bekundete er schon in der Verhandlung vor dem AG N. am 17. Mai 2000 und in der Hauptverhandlung vor dem Senat hat er dies noch einmal bestätigt. All dies hielt den Soldaten jedoch nicht von seiner eidlichen Falschaussage ab.
Ferner wirkt sich zu seinen Ungunsten aus, dass er als Angehöriger der Feldjägertruppe - wie er in der Berufungshauptverhandlung bekundet hat - in dieser Eigenschaft selbst bereits Erhebungen und Ermittlungen (vgl. Nrn. 226, 706 ZDv 75/100) durchgeführt hatte und damit über einschlägige Berufserfahrungen verfügte. Die Feldjägertruppe wird innerhalb der Bundeswehr in vielfältiger Weise gerade auch zur Feststellung von Sachverhalten und zur Aufklärung von Dienstvergehen eingesetzt (vgl. Nrn. 118, 226 ff. und Kapitel 7 ZDv 75/100). Wer mit einer sich daraus ergebenden langjährigen dienstlichen Erfahrung seine Verpflichtung zur Wahrheit im Rechtsverkehr verletzt und vor einem Gericht als Zeuge eine eidliche Falschaussage macht, lädt in besonderem Maße Schuld auf sich. Ihm musste die Bedeutung einer Zeugenaussage für die Wahrheitsfindung im Prozess besonders bewusst sein.
Schuldmildernde Umstände bei Begehung der Tat vermag der Senat nicht festzustellen. Insbesondere sind keine Anhaltspunkte etwa für eine im Strafverfahren nicht bzw. nicht ordnungsgemäß erfolgte Belehrung vor Ableisten des Eides (vgl. dazu Urteil vom 13. Dezember 1972 - BVerwG 2 WD 30.72 - <a.a.O. [45]>) ersichtlich. Gegenteiliges wird vom Soldaten selbst auch nicht geltend gemacht.
Milderungsgründe in der Tat sind nach der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 18. Juni 1996 - BVerwG 2 WD 10.96 - <BVerwGE 103, 343 [347]> m.w.N.) darüber hinaus nur dann gegeben, wenn die Situation, in der der Soldat versagt hat, von so außergewöhnlichen Besonderheiten gekennzeichnet war, dass ein an normalen Maßstäben orientiertes Verhalten nicht mehr erwartet und daher auch nicht vorausgesetzt werden konnte; als klassische Milderungsgründe in diesem Sinne sind ein Handeln in einer ausweglos erscheinenden, unverschuldeten wirtschaftlichen Notlage, die auf andere Weise nicht zu beheben war, ein Handeln unter schockartig ausgelöstem psychischem Zwang oder unter Umständen anerkannt worden, die es als unbedachte, im Grunde persönlichkeitsfremde Augenblickstat eines ansonsten tadelfreien und im Dienst bewährten Soldaten erscheinen lassen. Diese Voraussetzungen sind hier ersichtlich nicht erfüllt.
Der von der Verteidigung angeführte Gesichtspunkt, der Soldat habe bei seiner Falschaussage vor Gericht lediglich den ihm von seinem Bruder so geschilderten Geschehensablauf wiedergegeben und seinem Bruder habe er schließlich vertrauen dürfen, stellt nach der Rechtsprechung des Senats keinen Milderungsgrund in der Tat dar. Der Senat sieht auch nach erneuter Prüfung keinen Anlass, einen solchen anzuerkennen. Die mögliche Konfliktsituation eines Zeugen, der in einem Prozess gegen einen nahen Verwandten aussagt, ist vom Gesetzgeber erkannt worden. Ihr ist in § 52 StPO dahingehend Rechnung getragen worden, dass dieser Zeuge ein Zeugnisverweigerungsrecht hat, also überhaupt nicht auszusagen braucht. Entschließt er sich jedoch zur Aussage, muss er uneingeschränkt der Wahrheitspflicht genügen.
d) Hinsichtlich der Persönlichkeit und der bisherigen Führung des Soldaten sind im Rahmen der Maßnahmebemessung die zwei förmlichen Anerkennungen, die der Soldat wegen vorbildlicher Pflichterfüllung als S 2/S 3-Uffz am 20. Dezember 1994 und für selbstständige, gewissenhafte und eigenständige Führung des Zugs im Uffz-Lehrgang Teil II am 30. Oktober 2000 erhielt, sowie seine guten dienstlichen Beurteilungen, die trotz der Belastung durch das gegenständliche Verfahren durchweg eine steigende Tendenz aufweisen, mildernd zu berücksichtigen. Zugunsten des Soldaten spricht ferner, dass er längere Zeit die ihm übertragene Funktion eines Zugführers mit gutem Erfolg wahrgenommen hat und zudem für die Laufbahn „Offizier des militärfachlichen Dienstes” als geeignet angesehen worden ist. Auch sein ehemaliger Disziplinarvorgesetzter, Hauptmann F., hat dem Soldaten in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat ein durchweg positives dienstliches Leistungsbild attestiert.
Dagegen hat sich der Senat - im Unterschied zur Kammer - nicht in der Lage gesehen, das - späte - Eingeständnis des Fehlverhaltens des Soldaten mildernd zu berücksichtigen. Abgesehen davon, dass ein Geständnis als Tatmilderungsgrund nach ständiger Rechtsprechung des Senats grundsätzlich nur dann in Frage kommt, wenn das Fehlverhalten vor Entdeckung der Tat eingeräumt wurde (vgl. Urteil vom 8. November 2001 - BVerwG 2 WD 29.01 - <Buchholz 236.1 § 17 SG Nr. 36 = NVwZ 2002, 1378 m.w.N.>) - dies ist hier nicht der Fall -, kann ein Geständnis nur dann maßnahmemildernd gewertet werden, wenn es glaubhaft von Einsicht und Reue getragen wird (vgl. Urteil vom 19. Oktober 2000 - BVerwG 2 WD 16.00 - <Buchholz 236.1 § 12 SG Nr. 14 = NZWehrr 2001, 217, insoweit nicht veröffentlicht>). Der Senat hat in der Hauptverhandlung jedoch den Eindruck gewonnen, dass sich der Soldat bislang nur unzureichend mit seinem gravierenden Dienstvergehen auseinandergesetzt hat. Dies ergibt sich insbesondere daraus, dass er vor allem die für ihn negativen Konsequenzen der dienstrechtlichen Prüfung seines Dienstvergehens in den Vordergrund gestellt hat. Dass er mit seiner falschen Aussage andere Zeugen in die Gefahr einer möglichen Strafverfolgung gebracht hat, scheint ihm offensichtlich weniger gewichtig zu sein als seine durch das Verfahren bislang eingetretenen Nachteile für seine berufliche Karriere.
e) Bei Gesamtwürdigung aller be- und entlastenden Umstände des Falles ist insbesondere im Hinblick auf die Eigenart und Schwere des Dienstvergehens, seine Auswirkungen und das Maß der Schuld des Soldaten nach der Überzeugung des Senats die von der Kammer verhängte Maßnahme erforderlich und angemessen. Aussagedelikte von Soldaten vor Gericht werden in ständiger Rechtsprechung des Senats stets als so schwerwiegend eingestuft, dass eine „reinigende” Maßnahme erforderlich ist, und zwar bei vorsätzlichem Meineid grundsätzlich die Entfernung aus dem Dienstverhältnis (Urteile vom 13. Dezember 1972 - BVerwG 2 WD 30.72 - <a.a.O.> und vom 16. Oktober 2002 - BVerwG 2 WD 23.01 und 32.02 <NVwZ-RR 2003, 364> m.w.N.), bei uneidlicher Falschaussage die Herabsetzung in einen Mannschaftsdienstgrad (vgl. u.a. Urteil vom 7. Februar 1980 - BVerwG 2 WD 67.79 - <BVerwGE 63, 331 = NZWehrr 1980, 191 = RiA 1980, 190>; Urteil vom 24. Oktober 1991 - BVerwG 2 WD 9.91 - <BVerwGE 93, 171 = NZWehrr 1993, 78 = NVwZ-RR 1992, 643>) und bei fahrlässiger Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt vor Gericht eine „reinigende” Maßnahme oder - in besonderen Fällen - eine laufbahnhemmende Pflichtenmahnung (Urteil vom 25. September 1987 - BVerwG 2 WD 24.87 -). Hieran hält der Senat zur Wahrung der im Interesse der Rechtssicherheit gebotenen Kontinuität der Rechtsprechung und im Hinblick auf das Gebot der Gleichbehandlung (Art. 3 Abs. 1 GG) sowie aus generalpräventiven Gründen fest. Die Dienstgradherabsetzung bildet deshalb für den Senat den Ausgangspunkt der Zumessungserwägungen.
Der durch das in Rede stehende Fehlverhalten in den Augen eines den Sachverhalt objektiv und vorurteilsfrei wertenden Betrachters (vgl. zu diesem objektiven Maßstab u.a. das Urteil vom 6. Mai 2003 - BVerwG 2 WD 29.02 - m.w.N.) bewirkte allgemeine Verlust des Vertrauens in die persönliche und dienstliche Integrität des Soldaten kann durch eine ansonsten tadelfreie Führung sowie durch vor und nach der Tat erbrachte überdurchschnittliche dienstliche Leistungen nicht in einer Weise ausgeräumt werden, die ein Absehen von einer Dienstgradherabsetzung rechtfertigen könnte. Die Bundeswehr muss sich auf die Rechtstreue ihrer Soldaten verlassen können, auch im außerdienstlichen Bereich. Insbesondere muss sichergestellt sein, dass sie keine Straftaten begehen. Des Weiteren ist eine Herabsetzung in einen niedrigeren Dienstgrad zusätzlich deshalb geboten, weil sie über ihren (engeren) Zweck hinaus anerkannter Maßen auch pflichtenmahnende Wirkung auf die Angehörigen der Bundeswehr im Allgemeinen hat. Durch diese Maßnahme wird im Falle einer eidlichen Falschaussage nachhaltig die Schwere der Verfehlung vor Augen geführt. Soweit sich daraus im Einzelfall für den Soldaten persönliche oder familiäre Härten ergeben, sind diese schon deshalb nicht unangemessen, weil sie im Risikobereich eines für sein Handeln verantwortlichen Soldaten liegen, der sich bewusst sein muss, dass er durch sein Fehlverhalten auch seine berufliche Zukunft und das Wohl seiner Familie aufs Spiel setzt.
Da Milderungsgründe in den Umständen der Tat - wie oben dargelegt - weder hinsichtlich der Eigenart und Schwere sowie der Auswirkungen des Dienstvergehens noch im Hinblick auf das Maß der Schuld des Soldaten vorliegen, kommt eine andere Maßnahmeart als eine Degradierung nicht in Betracht.
Dem u.a. in den Beurteilungen zutage tretenden positiven Persönlichkeitsbild des Soldaten wird durch die Dienstgradherabsetzung lediglich um einen Dienstgrad und durch die Verkürzung der Wiederbeförderungsfrist auf zwei Jahre ausreichend Rechnung getragen.
4. Da die Berufung des Soldaten erfolglos war, waren ihm gemäß § 139 Abs. 2 WDO die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Die ihm darin erwachsenen notwendigen Auslagen ganz oder teilweise dem Bund aufzuerlegen, ist gemäß § 140 Abs. 5 Satz 2 WDO unzulässig.