Urteil vom 17.10.2002 -
BVerwG 2 WD 14.02ECLI:DE:BVerwG:2002:171002U2WD14.02.0

  • Zitiervorschlag

    BVerwG, Urteil vom 17.10.2002 - 2 WD 14.02 [ECLI:DE:BVerwG:2002:171002U2WD14.02.0]

Urteil

BVerwG 2 WD 14.02

In dem gerichtlichen Disziplinarverfahren hat der 2. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts in der nichtöffentlichen Hauptverhandlung am 17. Oktober 2002, an der teilgenommen haben:
Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Schwandt als Vorsitzender,
Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Widmaier,
Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. von Heimburg
sowie
...,
...
als ehrenamtliche Richter,
Leitender Regierungsdirektor Mühlbächer
als Vertreter des Bundeswehrdisziplinaranwalts,
Rechtsanwalt ..., ...,
als Verteidiger,
Angestellte Kairies
als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle,
für Recht erkannt:

  1. Auf die Berufung des Soldaten wird das Urteil der ... Kammer des Truppendienstgerichts N. vom 5. Dezember 2001 im Ausspruch über die Disziplinarmaßnahme geändert.
  2. Gegen den Soldaten wird ein Beförderungsverbot für die Dauer von vier Jahren verhängt.
  3. Die Kosten des Berufungsverfahrens und die dem Soldaten darin erwachsenen notwendigen Auslagen werden dem Bund auferlegt.

Gründe

I

II

Durch Abgabe an die Staatsanwaltschaft nach § 29 Abs. 3 WDO a.F. (§ 33 Abs. 3 n.F.) kam es im Dezember 2000 gegen den Soldaten zu einem Ermittlungsverfahren wegen Unterschlagung. Das Amtsgericht W. setzte gegen den Soldaten durch Strafbefehl vom 7. Februar 2001 - Az.: Cs ... Js ...../00 -, rechtskräftig seit 26. April 2001, wegen Unterschlagung in drei Fällen eine Gesamtgeldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 120 DM fest.
In dem mit Verfügung des Befehlshabers der Flotte vom 28. November 2000 ordnungsgemäß eingeleiteten sachgleichen disziplinargerichtlichen Verfahren fand die ... Kammer des Truppendienstgerichts N., ausgehend von der Anschuldigungsschrift vom 24. April 2001, den Soldaten eines Dienstvergehens schuldig und setzte ihn in den Dienstgrad eines Kapitänleutnants herab.
Die Truppendienstkammer stellte folgenden Sachverhalt fest:
"Der Soldat hatte am 07. März 2000 in N. O./USA von seinem Vorgänger die Aufgaben des Ersten Offiziers der Fregatte 'N.' übernommen.
Im Zusammenhang damit hatte ihm der Amtsvorgänger an Bord einen Briefumschlag mit 150,00 DM übergeben und dazu erklärt, dass das Geld für Betreuungsmaßnahmen gegenüber der Besatzung zur Verfügung stehe; ein Kassenbuch oder gesonderte Nachweise für diese 'Betreuungskasse' gebe es nicht.
In der Folgezeit fielen als Einnahmen für die 'Betreuungskasse' u.a. an: Gewinn aus Verkäufen beim Open Ship anlässlich des 'Wochenendes bei der Marine' in H. (Mai 2000) mit mehr als 3.000,00 DM und 'Spendenbeiträge' für Expo-Eintrittskarten mit über 2.000,00 DM.
An Ausgaben für Betreuungsmaßnahmen gegenüber der Besatzung sind u.a. zu erwähnen: Für eine Tombola 678,00 DM und zur Beschaffung von DVD-Filmen für die bordeigene Videoanlage ca. 1.200,00 DM.
Der Soldat hat eingeräumt, dass es bei ihm keine auf Belege gestützte eigentliche Buchführung über die Einnahmen und Ausgaben gegeben habe.
Unabhängig von dem heute nicht mehr detailliert nachvollziehbaren tatsächlichen Kassenbestand war bei Übergabe der 'Betreuungskasse' an den kommissarischen Vertreter des Soldaten Mitte November 2000 ein Betrag von 684,15 DM verblieben.
Der Soldat hat der 'Betreuungskasse' in drei voneinander selbständigen Fällen Geldbeträge zur privaten Verwendung - wie im Anschuldigungspunkt dargestellt - entnommen.
Seine Messerechnung von 500,00 DM für die Monate Mai bis Oktober 2000 hat der Soldat in See, die Telefonrechnung von 130,00 DM während einer Liegezeit des Schiffes in W. bezahlt.
Die Pre-Paid-Telefonkarten kaufte der Soldat am 4. November 2000 an einem Kiosk in H..
Den Betrag von 200,00 DM zur Bezahlung dieser Telefonkarten hatte er dem Geld aus einem Verrechnungsscheck entnommen, den Angehörige der Patenschaft des Schiffes auf den Soldaten als Verwalter der 'Betreuungskasse' ausgestellt und als Spende für die Kinderkrebsstation des R.-N.-Krankenhauses in W. bestimmt hatten.
Der Soldat hat den gegen ihn erhobenen Vorwurf, in diesen drei Fällen Geld im Wert von insgesamt 830,00 DM aus der 'Betreuungskasse' entnommen zu haben, in der Hauptverhandlung eingeräumt. Dazu hat er erklärt, dass er aufgrund erheblicher finanzieller Probleme seine Dienstreisen/Einschiffungen ohne ausreichende Barmittel und ohne Mitnahme einer Scheckkarte durchgeführt hätte. Die privat-finanziellen Probleme hätten sich aus erheblichen Aufwendungen anlässlich seiner Verwendung in B. (MOS) und seiner nahezu täglichen Rückkehr nach W. ergeben. Abgesehen davon sei die Behandlung von Geldangelegenheiten ohnehin nicht seine starke Seite.
In der Zeit seines Fehlverhaltens hätten ihm zum Eigenverbrauch wöchentlich lediglich 30,00 DM zur Verfügung gestanden.
Bei der Entnahme der drei Einzelbeträge aus der 'Betreuungskasse' und der Verwendung des Geldes für eigene Zwecke hätte er nicht die Absicht verfolgt, sich die Beträge zuzueignen. Er hätte vielmehr vorgehabt, den Gesamtbetrag nach Einlaufen des Schiffes im Heimathafen am 30.11.2000 in die 'Betreuungskasse' zurückzulegen. Er hätte das für seine privaten Zwecke entnommene Geld mithin lediglich entleihen wollen.
Diese Einlassung des Soldaten mag als 'Verniedlichung' seines Fehlverhaltens dienen, mit der er sich selbst zu beruhigen und mit sich ins Reine zu kommen sucht nach der Devise, dass 'nicht sein kann, was nicht sein darf'.
Seine Erklärung ist jedoch viel zu durchsichtig und vermag daher nicht zu über- zeugen.
Es trifft zwar zu, dass der Soldat den Gesamtbetrag von 830,00 DM am 04. Dezember 2000 an die Betreuungskasse der Fregatte 'N.' in bar zurückgezahlt hat. Gleichwohl hat die Kammer keinerlei Zweifel, dass sich der Soldat bei seinen vorangegangenen jeweiligen Entnahmen für seine privaten Zwecke jeweils strafrechtlich relevant i.S. des § 246 StGB (Unterschlagung) verhalten hat und das auch wollte.
In diesem Zusammenhang hat die Kammer den rechtskräftigen sachgleichen Strafbefehl als Indiz für die Tat und die Schuld des Soldaten gewertet.
Er hat bei seinen Verfehlungen die entscheidenden Tatsachen gekannt und auf der Grundlage dieses Wissens den sozialen Sinngehalt der Tatumstände nach Laienart richtig erfasst (Parallelwertung in der Laiensphäre). Konsequenterweise hat er eingeräumt, seinerzeit bei der jeweiligen Entnahme von Geld aus der von ihm verwalteten 'Betreuungskasse' für seine eigenen privaten Zwecke 'kein gutes Gefühl' gehabt zu haben.
Bei seiner Behauptung, das Geld nur 'entliehen zu haben', handelt es sich lediglich um einen geheimen Vorbehalt ('reservatio mentalis'), um darauf nach Bedarf zurückzugreifen. Auf ausdrückliches Befragen in der Hauptverhandlung hat der Soldat zugegeben, dass er die angebliche 'Leihe' - von der Entnahme des Geldes als solcher abgesehen - in keiner Weise kenntlich gemacht hatte etwa durch einen schriftlichen Vermerk, den er der 'Betreuungskasse' beigefügt hätte. Die Kammer ist deshalb der Auffassung, dass sich der Soldat mit seiner Einlassung von der 'Leihe des Geldes' auf eine vordergründige Schutzbehauptung zurückzieht, die sie als solche zurückweist.
In Anbetracht all dessen hält die Kammer das dem Soldaten zur Last gelegte Verhalten in vollem Umfang für bewiesen."
Diesen Sachverhalt würdigte die Kammer als jeweils vorsätzlichen Verstoß gegen die Kameradschaftspflicht (§ 12 Satz 2 SG) und die Achtungs- und Vertrauenswahrungspflicht im dienstlichen Bereich (§17 Abs. 2 Satz 1 SG), insgesamt als ein Dienstvergehen gemäß § 23 Abs. 1 SG.
Zur Maßnahmebemessung führte die Kammer im Wesentlichen aus:
Der rechtswidrige Zugriff eines Soldaten auf Gelder einer Kasse, die für Zwecke der Kameradenbetreuung bestimmt seien, stelle ein gravierendes schuldhaftes Fehlverhalten dar, für dessen Ahndung grundsätzlich die Dienstgradherabsetzung zum Ausgangspunkt der Zumessungserwägungen zu nehmen sei. Ein Soldat in Vorgesetztenstellung - hier sogar ein Stabsoffizier -, der rechtswidrig Geld aus einer von ihm verwalteten "Betreuungskasse" für eigene private Zwecke entnehme und verbrauche, untergrabe dadurch regelmäßig seine Autorität, erschüttere sein Ansehen tiefgreifend und beeinträchtige nachhaltig das in ihn gesetzte Vertrauen. Demgegenüber sei der Soldat nach § 10 Abs. 1 SG in besonderem Maße aufgefordert gewesen, in Haltung und Pflichterfüllung vorbildlich aufzutreten. Aufgrund der von ihm begangenen Verfehlungen sei er auf seinem Dienstposten als Erster Offizier der Fregatte "N." nicht länger zu halten gewesen. Die von dem Soldaten begangenen Verfehlungen seien weithin an Bord des Schiffes, im Geschwader und in der Zerstörerflottille bekannt geworden; sie seien dem Gefüge der Besatzung abträglich gewesen. Darüber hinaus habe sich der Geheimschutzbeauftragte der Bundeswehr inzwischen mit der Angelegenheit befasst; es sei damit zu rechnen, dass dem Soldaten die Ermächtigung/Sicherheitsstufe entzogen werde. Das wiederum habe zur Folge, dass er künftig kaum ausbildungs- und verwendungsgerecht einsetzbar sei. Die Situation, in der der Soldat versagt habe, sei durchaus nicht von so außergewöhnlichen Besonderheiten gekennzeichnet gewesen, dass von ihm ein an normalen Maßstäben orientiertes Verhalten nicht habe erwartet und daher auch nicht habe vorausgesetzt werden können. Keine der Ausnahmefallgestaltungen, die die wehrdienstgerichtliche Rechtsprechung als solche anerkannt habe, sei hier gegeben. Zugunsten des Soldaten habe die Kammer berücksichtigt: Bei der Führung und Verwaltung der "Betreuungskasse“ handele es sich um eine nachrangige Aufgabe im Verhältnis zu den einem Ersten Offizier obliegenden grundsätzlichen Pflichten. Der rechtswidrige Zugriff auf diese Kasse durch den Soldaten erreiche somit keinen vergleichbaren dienstrechtlichen Unwertgehalt wie in Fällen, in denen ein Rechnungsführer ihm dienstlich "anvertrautes" Geld unterschlage. Im Übrigen sei die Führung der "Betreuungskasse" auf den Soldaten "bei Gelegenheit" der Übernahme seiner Dienstgeschäfte als Erster Offizier übergegangen, indem ihm sein Vorgänger einen Briefumschlag mit 150,00 DM Bargeld und einigen wenigen ergänzenden Erklärungen ausgehändigt habe. Diese "Betreuungskasse" sei weder von dem Vorgänger noch später von dem Soldaten nach den Richtlinien geführt und verwaltet worden, die sich aus dem VMBl - Erlass 1987 S. 167 (Durchführung von Geldsammlungen sowie Einrichtung von Gemeinschaftskassen und anderen Kassen im Bereich der Bundeswehr) ergäben. Der Soldat und auch der Kommandant der Fregatte "N." hätten dazu ausgesagt, dass ihnen dieser Erlass damals nicht bekannt gewesen sei. Der Kommandant habe gewusst, dass der Soldat als Erster Offizier des Schiffes eine "Betreuungskasse" geführt habe, was er als üblich bezeichnet habe. Der Soldat hätte für diese Kasse auch "Prokura" gehabt, sodass er unter Gesichtspunkten der dienstlichen Betreuung der Besatzung mehr oder minder frei über das in der Kasse enthaltene Geld habe verfügen dürfen. Andererseits habe der Soldat von dem Geld aus der "Betreuungskasse" auch Sachen außerhalb von Betreuungszwecken angeschafft und bezahlt, wie z.B. den Kauf eines Druckers, den er anschließend auf der IO-Kammer genutzt habe. Dienstaufsicht durch den Kommandanten über die Führung der "Betreuungskasse" habe nicht stattgefunden. All dies habe möglicherweise die Hemmschwelle des Soldaten bei seinen wiederholten pflichtwidrigen Entnahmen von Geld für private Zwecke herabgesetzt. Als mildernder Umstand sei dieser Gesichtspunkt gleichwohl „nicht viel wert“. Zugunsten des Soldaten spreche, dass er dem Kommandanten in der Unterredung am Abend des 14. November 2000 sofort unumwunden zugegeben habe, für sich Geld aus der "Betreuungskasse" entnommen zu haben. Darüber hinaus sei er bereit gewesen, von sich aus dienstliche Konsequenzen zu ziehen und seine sofortige Ablösung vom Dienstposten als Erster Offizier zu beantragen. Außerdem habe er an der Aufklärung des Tatgeschehens mitgewirkt. In diesem Sinne sei er auch in der Hauptverhandlung geständig gewesen, ohne dass er sich dazu habe durchringen können, auch zur subjektiven Tatseite die Karten auf den Tisch zu legen. Ansonsten seien ihm seine überdurchschnittlichen dienstlichen Leistungen und seine Auszeichnungen zugute zu halten. Nach Abwägung aller be- und entlastenden Umstände habe es die Kammer für unumgänglich gehalten, als angemessene disziplinare Reaktion den Soldaten um einen Dienstgrad in den eines Kapitänleutnants herabzusetzen.
Gegen dieses dem Soldaten am 3. Januar 2002 zugestellte Urteil hat sein Verteidiger mit Schriftsatz vom 4. Februar 2002, der am selben Tag beim Bundesverwaltungsgericht - Wehrdienstsenate - eingegangen ist, eine auf das Disziplinarmaß beschränkte Berufung eingelegt und beantragt, "gegen den Soldaten eine mildere Disziplinarmaßnahme als die von der Truppendienstkammer verhängte Herabsetzung in den Dienstgrad eines Kapitänleutnants zu verhängen."
Zur Begründung hat der Verteidiger im Wesentlichen vorgebracht:
Richtig und vom Soldaten eingestanden sei, dass er aus der von ihm verwalteten "Gemeinschaftskasse" die unstreitig festgestellten drei Einzelbeträge in Höhe von 500 DM für die Begleichung der Messerechnung für die Monate Mai bis Oktober 2000, insgesamt 200 DM zum Erwerb von vier Pre-Paid-Telefonkarten zu je 50 DM sowie 130 DM zum Ausgleich einer offenen Telefonrechnung an Bord entnommen habe. Es treffe aber nicht zu, dass er diese Geldbeträge endgültig an sich habe nehmen wollen. Vielmehr habe nur ein momentaner finanzieller Engpass überwunden und das Geld später der Kasse wieder zugeführt werden sollen. Dem Verhalten des Soldaten komme nach Eigenart und Schwere nicht die Bedeutung zu, die die Truppendienstkammer ihm zugemessen habe. Zu berücksichtigen sei, dass die Verwaltung der hier in Rede stehenden Gemeinschaftsgelder mittels einer "Kasse" ohne jede Buchungsunterlage nicht etwa von dem Soldaten eingeführt worden sei. Vielmehr sei ihm bei seinem Dienstantritt als Erster Offizier der Fregatte "N." von seinem Vorgänger bei der Übergabe des Dienstpostens lediglich ein Briefumschlag mit einem Geldbetrag ohne jedes Kassenbuch oder sonstige Buchführungsunterlagen übergeben worden. Dies sei in Kenntnis des damaligen Kommandanten der Fregatte geschehen. Der Soldat habe nach alledem, soweit es um die Kassenführung gegangen sei, lediglich fortgeführt, was von anderen bereits vor ihm so eingeführt und praktiziert worden sei. Der Soldat habe durchgängig bestritten, sich endgültig um die entnommenen Beträge bereichern zu wollen. Vielmehr habe er in seiner Einlassung erläutert, wie es zu der Entnahme gekommen sei und wie sie habe ausgeglichen werden sollen. Da der Soldat den Sachverhalt, der auch dem Strafbefehl zugrunde liege, in vollem Umfange eingeräumt habe, könne von einer Indizwirkung, wie sie die Kammer angenommen habe, gerade nicht die Rede sein. Die strafrechtliche Würdigung des vom Soldaten eingeräumten Verhaltens habe im disziplinargerichtlichen Verfahren zum gleichen Sachverhalt keine Bedeutung. Insbesondere sei die Einlassung des Soldaten, er habe das entnommene Geld später der Kasse wieder zuführen wollen, durch die Rechtskraft des Strafbefehls nicht widerlegt. Die diesbezügliche Einlassung des Soldaten könne aus diesem Grunde im Rahmen der Zumessungserwägungen auch nicht als "Verniedlichung" seines Fehlverhaltens abgetan werden. Auch sei die Erklärung des Soldaten keineswegs "viel zu durchsichtig", sodass sie deswegen nicht überzeugen könne. Zu berücksichtigen sei im vorliegenden Fall neben der vom Soldaten dargestellten und auch von der Kammer letztlich nicht angezweifelten prekären familiären und finanziellen Situation, die letztlich der Auslöser für sein Fehlverhalten gewesen sei, dass
- die "Gemeinschaftskasse", der der Soldat die Beträge entnommen habe, ihrerseits in der Form, wie er sie bei seinem Dienstantritt vorgefunden habe, den einschlägigen Vorschriften zuwider geführt worden sei, dass dies von seinem Vorgänger als Erster Offizier so praktiziert worden und dass der damalige Kommandant in Kenntnis aller Umstände diese Praxis geduldet habe; in der Zwangslage, in der der Soldat sich befunden habe, habe dies seine Hemmschwelle deutlich herabsetzen müssen;
- es sich nicht etwa um einen Zugriff auf das Eigentum eines gleichrangigen Kameraden oder gar eines Untergebenen gehandelt habe, sondern um Geldbeträge aus einer Kasse, deren Verwendungszweck nirgendwo festgeschrieben gewesen und gegenüber der kein konkreter Soldat irgendwelche konkreten Ansprüche hätte herleiten können;
- die Kammer mit der Formulierung, es stelle "schon eine erstaunliche Überreaktion des Soldaten dar, wenn er doch ein 'so reines Gewissen' hinsichtlich seines Verhaltens gehabt und eine bloße 'Entleihe des Geldes vollzogen haben' wolle", als er in der Unterredung mit seinem Kommandanten am 14. November 2000 sehr geschockt gewirkt habe und in überaus starke Erregung geraten sei, eine sich aus der Situation ohne Weiteres ergebende Reaktion des Soldaten zu seinem Nachteil berücksichtigt habe; bereits nach seiner eigenen Einlassung habe der Soldat natürlich kein reines Gewissen gehabt; dass er durch die Vorhaltungen seines Kommandanten geschockt gewirkt und erregt gewesen sei, erkläre sich daher von selbst;
- entgegen der Auffassung der Kammer die private (familiär/finanzielle) Situation des Soldaten sehr wohl außergewöhnliche Umstände begründet habe, die neben der Art der Kassenführung die Hemmschwelle des Soldaten herabgesetzt habe.
Auch habe die Kammer die Kooperation des Soldaten, d. h. sein vorbehaltloses Geständnis gegenüber dem Kommandanten und dem Wehrdisziplinaranwalt nicht angemessen gewürdigt. Der Soldat habe sich dazu durchgerungen. Unter Abwägung aller Umstände hätte die Kammer von der Herabsetzung des Soldaten in den Dienstgrad eines Kapitänleutnants absehen müssen.

III

1. Die Berufung ist zulässig. Sie ist statthaft, ihre Förmlichkeiten sind gewahrt (§ 115 Abs. 1 Satz 1, § 116 WDO).
2. Das Rechtsmittel ist ausdrücklich und nach dem maßgeblichen Inhalt seiner Begründung auf die Maßnahmebemessung beschränkt worden. Der Senat hatte daher die Tat- und Schuldfeststellungen sowie die rechtliche Würdigung der Kammer seiner Entscheidung zugrunde zu legen und unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots nur noch über die angemessene Disziplinarmaßnahme zu befinden (§ 91 Abs. 1 Satz 1 WDO i.V.m. §§ 327, 331 Abs. 1 StPO).
3. Die Berufung des Soldaten hatte Erfolg.
Nach § 58 Abs. 7 i.V.m. § 38 Abs. 1 WDO sind bei Art und Maß der Disziplinarmaßnahme Eigenart und Schwere des Dienstvergehens sowie seine Auswirkungen, das Maß der Schuld, die Persönlichkeit, die bisherige Führung und die Beweggründe des Soldaten zu berücksichtigen.
Der Soldat hat ein schweres Dienstvergehen begangen.
Eigenart und Schwere des nach § 246 StGB strafrechtlich relevanten Fehlverhaltens ergeben sich daraus, dass der Soldat aus einer von ihm verwalteten Kasse Geld, das für Zwecke der Kameradenbetreuung und für Ausgaben zu Betreuungsmaßnahmen gegenüber der Schiffsbesatzung bestimmt ist, für eigene private Zwecke entnommen hat.
Der Senat hat in Bezug auf die Schwere und die disziplinare Einstufung eines solchen Fehlverhaltens in seiner ständigen Rechtsprechung immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass dienstliche wie außerdienstliche Verfehlungen eines Vorgesetzten gegen Eigentum und Vermögen von Kameraden stets als gravierendes Fehlverhalten zu werten sind, das Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Soldaten zulässt und die Möglichkeit seiner dienstlichen Verwendung berührt (vgl. Urteil vom 12. Juni 1997 - BVerwG 2 WD 41.96 - <Buchholz 236.1 § 7 Nr. 13 = NZWehrr 1997, 256>). An dieser Rechtsprechung hat sich der erkennende Senat zu orientieren, weil der Zugriff des Soldaten auf die Betreuungskasse Geld betraf, das der Schiffsbesatzung zustand, und sein Fehlverhalten somit gegen die Kameradschaft gerichtet war. Eine Unterschlagung zum Nachteil von Kameraden ist stets geeignet, das gegenseitige Vertrauen und die Bereitschaft, füreinander einzustehen, zu gefährden. Eine solche Tat kann damit die Kameradschaft und den militärischen Zusammenhalt, auf dem die Bundeswehr beruht (§ 12 Satz 1 SG), untergraben. Da sich bei dem engen Zusammenleben und Zusammenwirken der Truppe vielfältige Zugriffsmöglichkeiten auf fremdes Eigentum und Vermögen nicht vermeiden lassen, ist eine strenge disziplinare Reaktion nicht nur als angemessene Ahndung für ein solches Fehlverhalten angezeigt, sondern auch zur Abschreckung potentieller Täter geboten. Nicht selten löst ein solches Handeln, wie hier, Ermittlungen nicht nur des Disziplinarvorgesetzten, sondern auch der Polizei aus, kann zu gegenseitigen Verdächtigungen und Anschuldigungen führen und damit ein Klima der Unruhe und des Mißtrauens schaffen, das dem Dienstbetrieb höchst abträglich ist.
Ein Soldat in Vorgesetztenstellung - hier sogar ein Stabsoffizier und als Erster Offizier nächster Disziplinarvorgesetzter -, der nach § 10 Abs. 1 SG in seiner Haltung und Pflichterfüllung ein Beispiel zu geben hat und der rechtswidrig Geld aus einer von ihm verwalteten „Betreuungskasse“ für eigene private Zwecke entnimmt und verbraucht, untergräbt dadurch regelmäßig seine Autorität, erschüttert sein Ansehen, beeinträchtigt nachhaltig das gegenseitige Vertrauen und lockert dadurch zugleich den Zusammenhalt der Truppe. Der Senat hat bei der Unterschlagung von Kameradengeldern als Ausgangspunkt der Zumessungserwägungen regelmäßig die Dienstgradherabsetzung in Betracht gezogen, weil sich ein Soldat in Vorgesetztenstellung durch eine solche Tat in seinem Dienstgrad disqualifiziert. Ebenso wie im Einzelfall besondere Milderungsgründe einerseits eine mildere Maßnahme rechtfertigen können, erfordern gewichtige Erschwerungsgründe andererseits eine noch schärfere disziplinare Reaktion (vgl. Urteile vom 7. März 1991 - BVerwG 2 WD 51.90 - und vom 9. April 1991 - BVerwG 2 WD 6.91 -).
Den Soldaten muss hier im Hinblick auf das Zumessungskriterium „Maß der Schuld“ sein vorsätzliches Fehlverhalten belasten; er konnte sich nicht darüber im Zweifel befinden, dass durch seine Taten zumindest vorübergehend weniger Geld für kameradschaftliche Betreuungsmaßnahmen bzw. für Maßnahmen, die der dienstlichen Betreuung der Besatzung dienten, zur Verfügung stand, indem er wiederholt Gelder aus der "Betreuungskasse" entnahm.
Je höher ein Soldat in den Dienstgradgruppen steigt, umso mehr Achtung und Vertrauen genießt er; umso größer sind dann auch die Anforderungen, die an seine Zuverlässigkeit, sein Pflichtgefühl und sein Verantwortungsbewusstsein gestellt werden müssen, und umso schwerer wiegt eine Pflichtverletzung, die er sich zuschulden kommen lässt (vgl. Urteil vom 24. Juni 1992 - BVerwG 2 WD 62.91 - <BVerwGE 93, 265 = NZWehrr 1993, 76>). Daher kann ein Stabsoffizier und Disziplinarvorgesetzter, der aus einer von ihm als Erstem Offizier verwalteten Gemeinschaftskasse, deren Gelder für Betreuungsmaßnahmen einer Schiffsbesatzung bestimmt sind, Geld für private Zwecke entnimmt und verbraucht, grundsätzlich nicht in der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere belassen werden.
Zu Lasten des Soldaten fallen die Auswirkungen der von ihm begangenen Verfehlungen ins Gewicht, die weithin an Bord des Schiffes, im Geschwader und in der Zerstörerflottille bekannt geworden sind und dem Gefüge der Besatzung abträglich waren. Auch der zuständige Geheimschutzbeauftragte hat sich mit der Angelegenheit befasst. Wie der Kommandant des Schiffes vor dem Truppendienstgericht aussagte, sei er seinerzeit nach vielen Gesprächen mit mehreren Besatzungsmitgliedern zu der Erkenntnis gelangt, dass Einzelne bereits seit Wochen gewisse Ahnungen von dem Fehlverhalten des Soldaten gehabt, jedoch aufgrund der Schwere bzw. Ungeheuerlichkeit des Vorfalls zunächst für sich behalten hätten. Erst als die Verdachtsmomente sich immer mehr verdichtet hätten, hätten sie schließlich den Entschluss gefasst, den Kommandanten zu informieren. Der Glaube an die „unangreifbare Institution eines Ersten Offiziers“ sei sehr stark ausgeprägt, sodass ihr Zögern, sich wegen des entstandenen Verdachts an den Kommandanten zu wenden, leicht zu erklären sei.
Zu Lasten des Soldaten ist ferner zu berücksichtigen, dass er sogleich nach Aufdeckung seines Fehlverhaltens von seiner damaligen Verwendung abgelöst werden musste. Aufgrund der von ihm begangenen Verfehlungen war er auf seinem Dienstposten als Erster Offizier der Fregatte „N.“ nicht länger zu halten. Der Soldat muss sich die für die Personalplanung und -führung nachteiligen Auswirkungen seines Dienstvergehens zurechnen lassen (vgl. Urteil vom 10. Juli 1996 - BVerwG 2 WD 5.96 - <BVerwGE 103, 357 = Buchholz 235.0 § 34 Nr. 17 = NZWehrr 1996, 260>).
Milderungsgründe in der Tat sind nach der ständigen Rechtsprechung des Senats (vgl. Urteile vom 9. März 1995 - 2 WD 1.95 - <BVerwGE 103, 217 = NZWehrr 1995, 61> m.w.N.; vom 24. Januar 1996 - 2 WD 26.95 - <NZWehrr 1996, 126>, vom 18. Juni 1996 - BVerwG 2 WD 10.96 - <BVerwGE 103, 343 [347] = Buchholz 235.0 § 34 Nr. 15 = NVwZ-RR 1997, 238> m.w.N. und vom 18. März 1997 - 2 WD 29.95 - <BVerwGE 113,70 = Buchholz 235.0 § 34 Nr. 28 = NZWehrr 1997, 212>) dann gegeben, wenn die Situation, in der der Soldat versagt hat, von so außergewöhnlichen Besonderheiten gekennzeichnet war, dass ein an normalen Maßstäben orientiertes Verhalten nicht mehr erwartet und daher auch nicht vorausgesetzt werden konnte. Als solche Besonderheiten sind z.B. ein Handeln in einer ausweglos erscheinenden, unverschuldeten wirtschaftlichen Notlage, die auf andere Weise nicht zu beheben war, ein Handeln unter schockartig ausgelöstem psychischen Zwang oder unter Umständen anerkannt worden, die es als unbedachte, im Grunde persönlichkeitsfremde Augenblickstat eines ansonsten tadelfreien und im Dienst bewährten Soldaten erscheinen lassen, sowie ein Handeln in einer körperlichen oder seelischen Ausnahmesituation (vgl. Urteile vom 15. Oktober 1986 - BVerwG 2 WD 30.86 -, vom 14. November 1996 - 2 WD 31.96 - <BVerwGE 113, 19 [24 f.] = Buchholz 235.0 § 34 Nr. 22> und vom 1. September 1997 - BVerwG 2 WD 13.97 - <BVerwGE 113, 128 [129 ff.] = Buchholz 236.1 § 7 Nr. 16 = NZWehrr 1998, 83>. Die Voraussetzungen für das Vorliegen solcher Milderungsgründe sind nicht erfüllt.
Eine unverschuldete wirtschaftliche Notlage hat für den Soldaten zur Tatzeit nicht bestanden. Es ist zwar nicht zu verkennen, dass er damals und noch heute in finanziell angespannten Verhältnissen lebte und lebt. Soweit er in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, hatte er diese selbst zu vertreten. Im übrigen war der notwendige Lebensunterhalt für ihn und seine Familie immer noch sichergestellt; es war keineswegs so, dass seine wirtschaftliche Lage derart verzweifelt gewesen wäre, dass nur noch der Zugriff auf die Gelder in der "Betreuungskasse" hätte Abhilfe schaffen können. Sein Einwand, dass der Umgang mit und die Verwaltung von Geld nicht zu seinen Stärken gehöre, seine Ehefrau ihm den „Geldhahn abgedreht“ und er mit ihr damals eine Abmachung getroffen habe, dass er die Verfügungsgewalt über das Girokonto der Familie nicht ausübe, vermögen ihn ebenso wenig zu entlasten, wie sein Hinweis, seine finanziellen Verhältnisse seien schon "jahrelang chronisch klamm". Da der Soldat überlegt und zielgerichtet gehandelt hat, kam auch der Tatmilderungsgrund einer „unbedachten persönlichkeitsfremden Augenblickstat eines ansonsten tadelfreien und im Dienst bewährten Soldaten“ nicht in Betracht, zumal der Zugriff des Soldaten auf fremdes Vermögen kein einmaliges Versagen war, sondern sich auf insgesamt drei - zeitlich nacheinander liegende - Fälle erstreckte und schon deshalb von einer Augenblickstat nicht gesprochen werden kann.
Der Umstand, dass der Soldat bereits während der disziplinaren Ermittlungen durch Kapitän zur See O. am 16. November 2000 und der Vernehmung durch den Wehrdisziplinaranwalt am 23. November 2000 geständig war, kann unter den konkreten Umständen ebenfalls nicht tatmildernd ins Gewicht fallen. Sein Geständnis hat er erst zu einem Zeitpunkt abgelegt, als Zweifel an der Liquidität der Kasse bestanden, die durch die Vertrauenspersonen vorgebracht worden waren, und der Kommandant des Schiffes gegenüber dem Soldaten den Verdacht ausgesprochen hatte, dass der Soldat für sich Geld aus der "Betreuungskasse" entnommen habe.
Andererseits musste sich zu Gunsten des Soldaten tatmildernd auswirken, dass eine wirksame Kontrolle bzw. Dienstaufsicht durch den Kommandanten über die Führung der "Betreuungskasse" nicht stattgefunden hat, wie bereits die Truppendienstkammer festgestellt hat. Dem Soldaten wurde bei seinem Dienstantritt als Erster Offizier der Fregatte "N." lediglich ein Briefumschlag mit einem Geldbetrag ohne jedes Kassenbuch oder sonstige Buchführungsunterlagen, Hinweise oder Informationen übergeben. Eine Einarbeitung oder Einführung in die Aufgaben des Kassenführers erfolgte nicht. Der Kommandant wusste, dass der Soldat als Erster Offizier des Schiffes eine "Betreuungskasse" führte, was er vor dem Truppendienstgericht als üblich bezeichnet hat. Gleichwohl ist nicht erkennbar geworden, dass er die gebotene Dienstaufsicht ausgeübt und eventuell erforderliche Kontrollen durchgeführt hat. Der Soldat hat die damals vorgefundene vorschriftswidrige Praxis lediglich fortgeführt, und der Kommandant hat diese Praxis geduldet. Die Betreuungskasse war weder von dem Vorgänger des Soldaten noch später - nach seiner Ablösung - von seinem Nachfolger nach den einschlägigen Richtlinien der ZDv 43/2 geführt und verwaltet worden, die sich aus dem VMBl-Erlass 1987, S. 167 (Durchführung von Geldsammlungen sowie Einrichtung von Gemeinschaftskassen und anderen Kassen im Bereich der Bundeswehr) ergeben. Der Soldat und der Kommandant der Fregatte "N." haben dazu übereinstimmend vor der Truppendienstkammer ausgesagt, dass der Erlass ihnen damals nicht bekannt gewesen sei. Auch wenn durch die fehlende Dienstaufsicht nicht die Eigenverantwortung des Soldaten für sein Fehlverhalten in Frage gestellt worden ist, war jedoch, wie auch vom Verteidiger des Soldaten vorgetragen wurde, nicht auszuschließen, dass durch die besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles die Hemmschwelle des Soldaten deutlich herabgesetzt war, als er wiederholt Geld für private Zwecke entnahm, um sich nur vorübergehend - bis zur Ankunft des Schiffes in W. - seiner finanziellen Bedrängnis zu entziehen.
Der Senat hat dabei im Hinblick auf die Beweggründe des Soldaten berücksichtigt, dass der Soldat bei Entnahme der 500 DM, die der Begleichung seiner Messerechnung diente, als Messepräsident der Schiffsbesatzung ein "gutes Beispiel" geben wollte, weil die Messeverwaltung liquide sein musste, ferner, dass er mit der Entnahme der 130 DM Telefonkosten beglichen hat, die seinerzeit durch Telefonate mit seiner Frau entstanden waren. Wie der Soldat vor dem Senat glaubhaft ausgesagt hat, hat er sich damals in einer außergewöhnlich schwierigen familiären Konfliktsituation und einem Spannungsverhältnis mit seiner Frau über die Führung des gemeinsamen Bankkontos befunden. Er fühlte sich einer - von ihm subjektiv als solche empfundenen - Ausnahmesituation ausgesetzt und wähnte sich in einer Konfliktlage, in der er keine andere Möglichkeit sah, als mit seiner Frau die mit der besonderen Situation verbundenen Probleme telefonisch zu besprechen. Er hat sich ferner glaubhaft eingelassen, dass er sich nicht persönlich habe bereichern wollen und die aus der Kasse entnommenen Geldbeträge bei der zeitlich schon absehbaren Ankunft der Fregatte in W. sofort wieder habe ausgleichen wollen.
Uneingeschränkt zugunsten des Soldaten sprechen seine teilweise überdurchschnittlichen dienstlichen Leistungen und die ihm verliehenen Auszeichnungen. Ihm ist weiter zugute zu halten, dass er bisher weder strafrechtlich noch disziplinar in Erscheinung getreten ist. Für ihn spricht ferner, dass er bereit war, von sich aus dienstliche Konsequenzen zu ziehen und seine sofortige Ablösung vom Dienstposten als Erster Offizier zu beantragen. In der Berufungshauptverhandlung hat er sich glaubhaft einsichtig gezeigt und sein Fehlverhalten ausdrücklich bereut.
Bei der Gesamtwürdigung aller be- und entlastenden Umstände des Falles, insbesondere im Hinblick auf den besonderen situationsbedingten Tatmilderungsgrund, die Beweggründe, den persönlichen Eindruck in der Berufungshauptverhandlung und die mildernden Umstände, die in der Person des Soldaten begründet sind, hielt es der Senat nicht nur für vertretbar, sondern für sachlich geboten und angemessen, von der Regelmaßnahme der Dienstgradherabsetzung abzusehen und gegen den Soldaten ein Beförderungsverbot für die Dauer von vier Jahren als angemessene Ahndung des Dienstvergehens zu verhängen.
4. Da das Rechtsmittel des Soldaten somit vollen Erfolg hatte, waren die Kosten des Berufungsverfahrens gemäß § 139 Abs. 1 Satz 1 WDO und die dem Soldaten im Berufungsverfahren erwachsenen notwendigen Auslagen gemäß § 140 Abs. 4 WDO dem Bund aufzuerlegen.