Umzug in das neue Gerichtsgebäude in der Hardenbergstrasse 31 in Charlottenburg
Mit der Einweihung des neuen Gerichtsgebäudes am 18. September 1907 erhielt die Bibliothek für ihren damaligen Buchbestand von ca. 25.000 Bänden erstmals ein modernes viergeschossiges Büchermagazin mit zwei Lesezimmern. Das noch heute verwendete Lipman-Regalsystem galt damals als sehr fortschrittlich und wurde u. a. auch in der Berliner Kammergerichtsbibliothek verwendet.
Kataloge
Der erste gedruckte Bandkatalog erschien 1894 im
Carl Heymanns Verlag und enthielt über 3000 Titel in
systematischer Ordnung.1907 erfolgte eine Neuauflage mit über
5.800 aufgeführten Titeln. Zum Katalog von 1907 wurde 1909 und
1913 jeweils ein Nachtragsband veröffentlicht.
Nach einer Retrokonversion des Zettelkataloges ist heute annähernd der gesamte Bestand der ehemaligen OVG-Bibliothek über den Bibliotheks-OPAC recherchierbar.
Bestand
Der Bibliotheksbestand reicht bis ins 16.
Jahrhundert zurück. Neben bedeutenden Büchern aus dem 17. und 18.
Jahrhundert (bspw. Corpus iuris canonici 1670; Acta pacis
Westphalicae publica 1734-1743; Corpus iuris Fridericianum 1749)
sind besonders die umfangreiche Sammlung der Amtsdruckschriften
der ehemaligen preußischen Provinzen und die Materialien der
Parlamente wie etwa des Reichstages, des Reichstages des
Norddeutschen Bundes und der Deutschen Bundesversammlung (ab
1817) von Interesse.
Von den hinzugewonnenen Bibliotheken war die des 1845 gegründeten und 1933 aufgelösten Oberlandeskulturgerichts (dritte Instanz einer besonderen Gerichtsbarkeit für Streitigkeiten um Grund und Boden) die bedeutendste. Das OVG behielt nach Aussonderung von Doppelstücken ca. 6000 Bände dieser Bibliothek. Ein Großteil der Werke stammt aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, wobei die Fachgebiete Agrarrecht und Land- und Forstwirtschaft besonders stark vertreten sind.
Der Oberlandeskulturgerichtsbestand ist bis heute separat vom OVG-Bestand aufgestellt und in einem eigenen systematisch aufgebauten Bandkatalog nachgewiesen. Die Katalogdaten sind nach durchgeführter Retrokonversion heute über den Bibliotheks-OPAC recherchierbar.
Die OVG-Bibliothek als Grundstock der Bibliothek des BVerwG
Am 1. Mai 1941 ging das Preußische OVG im neu geschaffenen Reichsverwaltungsgericht auf. Bei Kriegsende 1945 umfasste die ehemalige OVG-Bibliothek ca. 52.000 überwiegend nur leicht beschädigte Bände.
Als das Bundesverwaltungsgericht am 8. Juni 1953 im Dienstgebäude des ehemaligen Preußischen Oberverwaltungsgerichts in der Hardenbergstraße seine Arbeit aufnahm, bildete der Buchbestand des OVG den Grundstock für die neue Gerichtsbibliothek.