Bundesverwaltungsgericht

Pressemitteilung

Keine zeitlich unbegrenzte Erhebung von Sanierungsausgleichsbeträgen

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute entschieden, dass hinsichtlich des Beginns der vierjährigen Festsetzungsfrist für sanierungsrechtliche Ausgleichszahlungen auch dann nicht auf den tatsächlichen Abschluss der Sanierung abzustellen ist, wenn die Gemeinde die förmliche Aufhebung der Sanierungssatzung pflichtwidrig unterlässt.

Die 18 Parallelverfahren betreffen Ausgleichsbeträge für sanierungsbedingte Bodenwerterhöhungen (§ 154 BauGB). Die Frist für die Festsetzung dieser Abgabe beträgt vier Jahre. Sie beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Abgabe entstanden ist. Die Abgabe entsteht gemäß § 154 Abs. 3 Satz 1 BauGB mit der rechtsförmlichen Aufhebung der Sanierungssatzung. Diese Aufhebung hatte die Stadt Oberhausen erst im Jahre 2006 beschlossen, obwohl die letzten Sanierungsmaßnahmen bereits im Jahre 1989 durchgeführt worden waren. Auf Klage der Eigentümer hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Bescheide aufgehoben und sich hierbei u.a. darauf gestützt, dass die Festsetzung der Abgaben verjährt sei. Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG) hat diese Auffassung bestätigt: Zwar sei für den Beginn der Festsetzungsfrist nach bisheriger Rechtsprechung maßgeblich, wann die Sanierungssatzung förmlich aufgehoben worden sei, während es auf den tatsächlichen Abschluss der Sanierung nicht ankomme. Dieser Rechtsprechung könne jedoch aus Gründen des rechtsstaatlichen Gebots der Belastungsklarheit und -vorhersehbarkeit nicht mehr gefolgt werden, wenn die Aufhebung der Sanierungssatzung - wie hier - pflichtwidrig verzögert worden sei.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die vorinstanzliche Entscheidung nur im Ergebnis bestätigt. Zu Recht hat das OVG zwar angenommen, dass das rechtsstaatliche Gebot der Belastungsklarheit und -vorhersehbarkeit auch bei der Festsetzung sanierungsrechtlicher Ausgleichsbeträge Geltung beansprucht. Auch Grundeigentümer im förmlich festgelegten Sanierungsgebiet können nicht zeitlich unbegrenzt nach Entstehung der sanierungsbedingten Vorteilslage in Anspruch genommen werden. Ein vom OVG im Wege der verfassungskonformen Auslegung des § 154 Abs. 3 Satz 1 BauGB für richtig gehaltenes Abstellen auf den tatsächlichen Abschluss der Sanierung liefe jedoch auf eine Deutung hinaus, die das gesetzgeberische Anliegen in einem zentralen Punkt verfälscht. Dem rechts­staatlichen Gebot der Belastungsklarheit und -vorhersehbarkeit wird vielmehr auf der Grundlage allgemeiner Instrumente wie etwa dem auch im öffentlichen Recht anzuwendenden Grundsatz von Treu und Glauben oder allgemeinen Verjährungsregeln hinreichend Rechnung getragen. Die vorinstanzliche Entscheidung erwies sich aber aus anderen Gründen als richtig.

BVerwG 4 C 11.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 208/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4080/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 12.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 209/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4092/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 13.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 216/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4693/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 14.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 210/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4619/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 15.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 211/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4618/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 16.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 207/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4620/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 17.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 223/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4518/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 18.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 222/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4621/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 19.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 217/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4617/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 20.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 224/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4622/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 21.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 215/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4649/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 22.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 214/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4692/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 23.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 212/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4651/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 24.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 220/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4650/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 25.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 213/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 3881/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 26.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 219/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4648/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 27.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 218/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4275/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

BVerwG 4 C 28.13 - Urteil vom 20. März 2014

Vorinstanzen:
OVG Münster 14 A 221/11 - Urteil vom 30. April 2013
VG Düsseldorf 25 K 4691/10 - Urteil vom 03. Dezember 2010

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