Verfahrensinformation

Der Kläger wendet sich gegen die Feststellung, er sei nicht berechtigt, mit seinem österreichischen Führerschein in der Bundesrepublik Deutschland fahrerlaubnispflichtige Kraftfahrzeuge zu führen.

Dem Kläger - der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt - ist nach einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr die Fahrerlaubnis entzogen worden. Nachfolgende Anträge auf Erteilung einer Fahrerlaubnis waren abgelehnt worden, nachdem die eingeholten Fahreignungsgutachten zu einem negativen Ergebnis geführt hatten. Im Jahr 2009 erhielt der Kläger einen tschechischen Führerschein. Da er in der Tschechischen Republik nur einen Schein­wohnsitz begründet habe, erkannte ihm die zuständige Führerscheinbehörde die Berechtigung ab, mit diesem Führerschein im Bundesgebiet Kraftfahrzeuge zu führen und trug einen entsprechenden Sperrvermerk ein. Die hiergegen gerichtete Klage ist rechtskräftig abgewiesen worden. Da der Kläger gleichwohl in der Bundesrepublik am Straßenverkehr teilgenommen hatte, ist er mehrfach strafgerichtlich verurteilt und mit einer Sperrfrist für die Neuerteilung einer Fahrerlaubnis belegt worden.

Nachdem er seinen Hauptwohnsitz nach Österreich verlegt hatte, erhielt der Kläger im Jahr 2014 einen österreichischen Führerschein. Der beklagte Freistaat Bayern war der Ansicht, auch diesem Führerschein hafte der Rechtsmangel der tschechischen Fahrerlaubnis an. Dem Kläger sei keine neue Fahrerlaubnis erteilt, sondern lediglich im Wege des Umtauschs ein neues Führerscheindokument ausgehändigt worden. Folgerichtig habe auch keine Prüfung der Fahreignung stattgefunden. Der Beklagte stellte daher fest, dass der Kläger nicht berechtigt ist, mit seinem österreichischen Führerschein in der Bundesrepublik Deutschland fahrerlaubnispflichtige Kraftfahrzeuge zu führen.

In einem parallelen Strafverfahren ist der Kläger vom Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis dagegen freigesprochen worden. Das Landgericht Bamberg war der Auffassung, mit dem österreichischen Führerschein sei der Kläger im Besitz einer auch im Inland gültigen Fahrererlaubnis gewesen.

Die gegen den Feststellungsbescheid und den eingetragenen Sperrvermerk gerichteten Klagen des Klägers sind in den vorangegangenen Instanzen erfolglos geblieben. Zur Begründung hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof im Wesentlichen ausgeführt, § 28 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung erfasse auch die vorliegende Fallgestaltung. Überdies stehe dem Begehren des Klägers die strafgerichtlich ausgesprochene Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis entgegen. Auch der Inhaber einer ausländischen Fahrerlaubnis sei nach einer derartigen Sperre erst dann wieder zum Führen von Kraftfahrzeugen in Deutschland berechtigt, wenn er den Nachweis erbracht habe, dass er seine Fahreignung wiedergewonnen habe.

Der Kläger verfolgt sein Begehren mit der vom Berufungsgericht wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassenen Revision weiter.

Pressemitteilung Nr. 45/2018 vom 05.07.2018

Offensichtlicher Wohnsitzmangel einer EU-Fahrerlaubnis wirkt bei späterem Umtausch des Führerscheins fort

Steht aufgrund vom Ausstellermitgliedstaat herrührender unbestreitbarer Information fest, dass ein Führerschein von einem Mitgliedstaat der Europäischen Union unter Verstoß gegen die Voraussetzung eines ordentlichen Wohnsitzes ausgestellt worden ist, haftet dieser Mangel auch dem Führerschein an, in den dieser Führerschein danach in einem anderen Mitgliedstaat umgetauscht wurde. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute entschieden.


Dem Kläger - ein deutscher Staatsangehöriger, der gegenwärtig auch in Deutschland lebt - war nach einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr in Deutschland die Fahrerlaubnis entzogen worden. Nachfolgende Anträge auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis blieben erfolglos, nachdem die eingeholten Fahreignungsgutachten jeweils zu einem negativen Ergebnis geführt hatten. Im Jahr 2009 erhielt der Kläger einen tschechischen Führerschein. Da er ausweislich der Auskünfte des Gemeinsamen Zentrums der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in der Tschechischen Republik nur einen Scheinwohnsitz begründet hatte, erkannte ihm die zuständige Führerscheinbehörde die Berechtigung ab, mit diesem Führerschein im Bundesgebiet fahrerlaubnispflichte Kraftfahrzeuge zu führen und trug einen entsprechenden Sperrvermerk ein. Die hiergegen gerichtete Klage ist rechtskräftig abgewiesen worden. Da der Kläger gleichwohl in der Bundesrepublik am Straßenverkehr teilgenommen hatte, ist er mehrfach strafgerichtlich verurteilt und mit einer Sperrfrist für die Neuerteilung einer Fahrerlaubnis belegt worden, die 2013 ablief.


Nachdem er seinen Wohnsitz nach Österreich verlegt hatte, erhielt der Kläger dort im Jahr 2014 durch Umtausch einen österreichischen Führerschein. Er war durch Angabe der Code-Nummer 70, der Länderkennung CZ sowie der Angabe von Ausstellungsdatum und Nummer als umgetauschter tschechischer Führerschein erkennbar. Nachdem der Kläger mit diesem Führerschein im Bundesgebiet angetroffen worden war, stellte die Fahrerlaubnisbehörde fest, dass der Kläger nicht berechtigt ist, mit seinem österreichischen Führerschein in der Bundesrepublik Deutschland fahrerlaubnispflichtige Kraftfahrzeuge zu führen. Die hiergegen gerichtete Klage ist in den Vorinstanzen erfolglos geblieben.


Das Bundesverwaltungsgericht hat auch die Revision des Klägers zurückgewiesen. Der in § 28 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 der Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (FeV) normierte Nichtanerkennungstatbestand erfasst die Fälle, in denen der Wohnsitzmangel aufgrund des Umtauschs nicht mehr unmittelbar aus dem Führerschein oder von dessen Ausstellungsmitgliedstaat herrührender Information feststellbar ist, zwar nicht unmittelbar. Die Norm kann auf diese Konstellation aber entsprechend angewendet werden. Der Ausschlussgrund will eine Anerkennung von Führerscheinen, die unter Verstoß gegen die zwingende Zuständigkeitsvoraussetzung eines ordentlichen Wohnsitzes ausgestellt worden sind, verhindern. Diese Zielstellung gebietet eine Erstreckung auch auf die Fälle nachträglich umgetauschter Führerscheine.


Der Anerkennungsgrundsatz der sog. 3. Führerscheinrichtlinie 2006/126/EG steht dieser Auslegung nicht entgegen. Der Gerichtshof der Europäischen Union hat bereits entschieden, dass der offensichtliche Verstoß gegen das Erfordernis eines ordentlichen Wohnsitzes im Ausstellermitgliedstaat auch auf Führerscheine fortwirkt, die später auf der Grundlage eines Führerscheins ausgestellt worden sind, dessen Anerkennung in anderen Mitgliedstaaten versagt werden durfte. In den betreffenden Rechtssachen ging es um die echte Neuerteilung für andere, an den mit einem solchen Wohnsitzmangel behafteten Führerschein der Klasse B anknüpfende Fahrzeugklassen. Für den hier vorliegenden Umtausch des mit einem Wohnsitzmangel behafteten Führerscheins gilt dies erst recht. Auch in diesen Fällen wirkt der Mangel des ursprünglichen Führerscheins fort. Andernfalls würde der unter offensichtlichem Verstoß gegen die Wohnsitzvoraussetzung von den tschechischen Behörden ausgestellte Führerschein über die „Verlängerung" eines Umtauschs in einem anderen Mitgliedstaat für das Bundesgebiet im Ergebnis doch verbindlich.


Urteil vom 05. Juli 2018 - BVerwG 3 C 9.17 -

Vorinstanzen:

VGH München, 11 B 16.2007 - Urteil vom 21. März 2017 -

VG Bayreuth, B 1 K 15.708 - Urteil vom 24. Juni 2016 -