Beschluss vom 07.06.2018 -
BVerwG 1 WB 32.17ECLI:DE:BVerwG:2018:070618B1WB32.17.0

Zu den Voraussetzungen der Ausplanung eines Soldaten aus der Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung

Leitsätze:

1. Beantragt ein Zeitsoldat aus einer für seine fachliche Laufbahn vorgesehenen zivilberuflichen Weiterbildungsmaßnahme ausgeplant zu werden, stellt die Ablehnungsentscheidung eine anfechtbare truppendienstliche Maßnahme dar.

2. Das dienstliche Interesse für die Teilnahme eines Soldaten an einer zivilberuflichen Fortbildung zur Meisterebene kann mit dem erhöhten Ausbildungsbedarf für ein neues Waffensystem und mit der Unverzichtbarkeit des Fortbildungsinhalts für eine Lehrverwendung begründet werden.

  • Rechtsquellen
    WBO § 17 Abs. 3

  • Stichworte

    Ablehnung der Ausplanung; Ausplanung; Berufsförderungsanspruch; Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung;

  • Zitiervorschlag

    BVerwG, Beschluss vom 07.06.2018 - 1 WB 32.17 [ECLI:DE:BVerwG:2018:070618B1WB32.17.0]

Beschluss

BVerwG 1 WB 32.17

In dem Wehrbeschwerdeverfahren hat der 1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts durch
den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Häußler,
die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. Frentz,
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Langer,
den ehrenamtlichen Richter Fregattenkapitän Hehl und
den ehrenamtlichen Richter Hauptbootsmann Lemcke
am 7. Juni 2018 beschlossen:

Der Antrag wird zurückgewiesen.

Gründe

I

1 Dem Antragsteller geht es um seine Ausplanung aus einer Maßnahme der Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung (ZAW-Maßnahme) zum "Industriemeister-Luftfahrttechnik".

2 Der ... geborene Antragsteller ist Soldat auf Zeit, dessen auf 13 Jahre festgesetzte Dienstzeit mit Ablauf des 30. September ... enden wird. Er wurde mit Wirkung vom 1. Oktober ... zum Oberbootsmann ernannt. Er absolvierte unter anderem die Ausbildung zum Fluggerätemechaniker-Bootsmann für das Luftfahrzeugmuster ... (MK) ... Fachrichtung Triebwerk. Seit dem 1. Juli ... wird er auf einem ausbildungsentsprechenden Dienstposten bei der Technischen Staffel ... des ...geschwaders ... am Standort ... verwendet.

3 Das Zentrum für Nachwuchsgewinnung MARINE hatte dem Antragsteller am 27. Januar ... eine Ausbildungszusage für den zivilberuflich anerkannten Ausbildungsberuf "Fluggerätemechaniker (Triebwerk)" erteilt und ihn zugleich informiert, dass sich gemäß § 5 Abs. 6 SVG sein Anspruch auf Berufsförderung um neun Monate verringere, wenn die Teilnahme an einer militärfachlichen Ausbildung zum Bestehen einer Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf geführt habe. Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (im Folgenden: Bundesamt für das Personalmanagement) plante, den Antragsteller vom 1. September 2018 bis zum 1. Juli 2019 im Rahmen einer ZAW-Maßnahme zum "Industriemeister-Luftfahrttechnik" auszubilden.

4 Am 12. Dezember 2016 beantragte der Antragsteller seine Ausplanung aus dieser Maßnahme. Zur Begründung legte er dar, die Bildungsmaßnahme passe nicht in seine persönliche berufliche Zukunftsplanung. Er beabsichtige die Aufnahme eines Studiums und benötige hierfür seinen Anspruch auf Berufsförderung. Der Antrag wurde von dem Disziplinarvorgesetzten und dem nächsthöheren Vorgesetzten des Antragstellers befürwortet.

5 Mit Bescheid vom 24. März 2017 lehnte das Bundesamt für das Personalmanagement den Ausplanungsantrag ab. Zur Begründung führte es aus, dass die Qualifizierung zur Meisterebene grundsätzlich Bestandteil der Fortbildung der Feldwebel des allgemeinen Fachdienstes sei. Die Maßnahme diene dem Ziel, die Auftragserfüllung und Effektivität auf dem Dienstposten zu verbessern. Mit der Einführung neuer Waffensysteme und der daraus resultierenden erforderlichen Qualifikation liege ein dienstliches Interesse vor.

6 Gegen diesen Bescheid legte der Antragsteller mit Schreiben vom 18. April 2017 Beschwerde ein und machte geltend, dass er seinen verbleibenden Berufsförderungsanspruch für ein ab Oktober 2022 geplantes Maschinenbaustudium benötige. Die in Rede stehende berufliche Fortbildung entspreche nicht seinen persönlichen Vorstellungen und Karrierezielen. Aus der Maßnahme ergäben sich lange Abwesenheiten von seinem Wohnort und von seiner Familie. Er befinde sich aktuell mit seiner Lebensgefährtin in der Familienplanung, in deren Folge die Niederkunft in der Zeit der Bildungsmaßnahme zu erwarten sei. Mit Blick auf eine mögliche Übernahme zum Berufssoldaten werde ihm infolge seiner Abwesenheit vom Dienstort ein Jahr zur weiteren Abgrenzung in die Spitzengruppe seiner Beurteilungsvergleichsgruppe fehlen.

7 Mit Bescheid vom 16. Mai 2017 wies das Bundesministerium der Verteidigung - R II 2 - die Beschwerde zurück und führte aus, dass die Ablehnung der Ausplanung vorschriftenkonform ergangen sei. Die nachvollziehbaren persönlichen Gründe des Antragstellers ließen sich mit den dienstlichen Belangen und dem Erfordernis, die militärfachliche Ausbildung fortzusetzen, nicht in Einklang bringen. Die Teilnahme an einer ZAW-Fortbildung diene dazu, die Auftragserfüllung und Effektivität eines Soldaten auf Zeit auf dem Dienstposten zu verbessern, was auch im Fall des Antragstellers uneingeschränkt zutreffe. Da der Antragsteller voraussichtlich über eine Restnutzungszeit von drei Jahren und fünf Monaten auf seinem Dienstposten verfüge, sei eine Ausplanung aus der ZAW-Maßnahme mit dienstlichen Interessen nicht zu vereinbaren. Hinsichtlich einer möglichen Übernahme zum Berufssoldaten könne sich eine erfolgreich abgeschlossene Meisterausbildung bei der Auswahlkonferenz positiv auswirken.

8 Gegen diese ihm am 22. Mai 2017 eröffnete Entscheidung hat der Antragsteller am 19. Juni 2017 die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts beantragt. Das Bundesministerium der Verteidigung - R II 2 - hat den Antrag mit seiner Stellungnahme vom 7. September 2017 dem Senat vorgelegt.

9 Zur Begründung seines Rechtsschutzbegehrens wiederholt und vertieft der Antragsteller sein Beschwerdevorbringen. Ergänzend führt er aus: Er habe zumindest Anspruch auf Neubescheidung seines Ausplanungsantrags. Bei dessen Ablehnung sei das Ermessen fehlerhaft und gleichheitswidrig ausgeübt worden. Mehr als zehn weitere Soldaten mit demselben Dienstgrad wie er seien in der Dienststelle beschäftigt, ohne den geforderten Lehrgang besucht zu haben. Aus den angefochtenen Bescheiden sei nicht zu erkennen, dass die personalbearbeitende Stelle unter den Soldaten mit vergleichbaren Qualifikationen eine Auswahl getroffen habe. Für die Durchführung des Lehrgangs liege auch kein dienstliches Bedürfnis vor. Es sei ohne Weiteres möglich, die Tätigkeit auf seinem Dienstposten ohne den Lehrgang auszuüben. Ausweislich seiner Beurteilungen nehme er seine Aufgaben ohne fachliche Defizite wahr. Die kurze Erwähnung der Einführung neuer Waffensysteme stelle keine ausreichende Begründung für die Ermessensentscheidung dar. Nach der "Weisung für die Umsetzung der Konzeption 'Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung der Soldatinnen und Soldaten auf Zeit im Rahmen der militärfachlichen Ausbildung' für Soldatinnen und Soldaten in der Laufbahngruppe der Unteroffiziere der Marine" vom 23. Juli 2010 müsse die Ausbildung nur auf dem Niveau einer Gesellenprüfung, nicht aber auf Meisterebene abgeschlossen werden. Eine entsprechende Ausbildung habe er durchlaufen. Die weitergehende Ausbildung sei im Rahmen der militärfachlichen Ausbildung durchzuführen, nicht aber im Rahmen einer zivilberuflichen Ausbildung. Durch die lehrgangsbedingte Abwesenheit verliere er seinen Status "Maintenance Ready", für dessen Wiedererlangung weitere Lehrgänge notwendig seien. Ohne die beabsichtigte Fortbildung könne er insgesamt länger auf seinem Dienstposten eingesetzt werden. Im Rahmen der Ermessensentscheidung müssten auch seine persönlichen Belange berücksichtigt werden; dies sei nicht im erforderlichen Umfang geschehen. Durch die Maßnahme verzögere sich die Aufnahme des geplanten Maschinenbaustudiums um ein Jahr.

10 Der Antragsteller beantragt: die Antragsgegnerin zu verpflichten, seinem Antrag vom 12. Dezember 2016 auf Ausplanung von der im Zeitraum vom 1. September 2018 bis zum 1. Juli 2019 geplanten Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung unter Abänderung des Bescheides vom 24. März 2017 in der Fassung des Beschwerdebescheides vom 16. Mai 2017 zu entsprechen.

11 Das Bundesministerium der Verteidigung beantragt: den Antrag zurückzuweisen.

12 Es verteidigt den Inhalt des Beschwerdebescheids unter Bezugnahme auf sein Hinweisschreiben vom 4. Juli 2017. Gemäß der "Weisung für die Umsetzung der Konzeption 'Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung der Soldatinnen und Soldaten auf Zeit im Rahmen der militärfachlichen Ausbildung' für Soldatinnen und Soldaten in der Laufbahngruppe der Unteroffiziere der Marine" vom 23. Juli 2010 sei die ZAW-Maßnahme eine Pflichtausbildung. In der Laufbahn des allgemeinen Fachdienstes seien Bootsmänner besonders qualifizierte Spezialisten (militärische Meisterebene). Die Verwendungen in dieser Laufbahn erforderten einen staatlich anerkannten, militärisch verwertbaren zivilen Berufsabschluss auf Gesellenebene und eine militärfachliche Qualifizierung zur militärischen Meisterebene. Bei dem angesprochenen neuen Waffensystem handele es sich um den Hubschrauber ..., für den grundsätzlich eine Neuqualifizierung aller Soldaten erforderlich sei, wobei die erworbenen Inhalte der Meisterausbildung hilfreich seien. Der Antragsteller könne auch in einer Lehrverwendung eingesetzt werden, wofür Teile der Meisterausbildung nahezu unverzichtbar seien. Dass andere Soldaten im Dienstgrad Oberbootsmann nicht für diesen Lehrgang vorgesehen seien, könne nicht bestätigt werden. In den letzten Monaten sei lediglich ein Soldat aus der ZAW-Maßnahme ausgeplant worden, weil dieser bereits über eine höherwertige Ausbildung verfüge.

13 Mit Formularschreiben vom 12. Juli 2017 beantragte der Antragsteller parallel zum vorliegenden Verfahren die Verschiebung der strittigen ZAW-Maßnahme um ein Jahr. Das Bundesministerium der Verteidigung - R II 2 - hat am 2. Mai 2018 mitgeteilt, dass das Bundesamt für das Personalmanagement diesem Umplanungsantrag entsprochen und den Antragsteller für die Zeit vom 1. Februar 2020 bis zum 31. Januar 2021 in die in Rede stehende berufliche Fortbildung eingeplant habe; eine entsprechende Vororientierung sei dem Antragsteller am 22. Januar 2018 eröffnet worden. Der Antragsteller hat mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten vom 9. Mai 2018 erwidert, dass sich durch die Umplanung sein Ausplanungsbegehren nicht erledigt habe.

14 Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts wird auf den Inhalt der Akten Bezug genommen. Die Beschwerdeakte des Bundesministeriums der Verteidigung - R II 2 - ... - und die Personalgrundakte des Antragstellers haben dem Senat bei der Beratung vorgelegen.

II

15 Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung hat keinen Erfolg.

16 Der Sachantrag des Antragstellers ist bei sach- und interessengerechter Auslegung der Antragsbegründung auf die Aufhebung des ablehnenden Bescheids des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr vom 24. März 2017 und des Beschwerdebescheids des Bundesministeriums der Verteidigung vom 16. Mai 2017 sowie auf die Verpflichtung des Bundesministeriums der Verteidigung gerichtet, über den Ausplanungsantrag vom 12. Dezember 2016 unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts erneut zu entscheiden.

17 1. Der Antrag ist zulässig.

18 a) Er hat sich durch die Entscheidung des Bundesamts für das Personalmanagement, dem Umplanungsantrag des Antragstellers vom 12. Juli 2017 zu entsprechen und nunmehr dessen Teilnahme an der in Rede stehenden ZAW-Maßnahme für die Zeit vom 1. Februar 2020 bis zum 31. Januar 2021 neu festzulegen, nicht erledigt. Damit hat das Bundesamt für das Personalmanagement nur dem Wunsch des Antragstellers Rechnung getragen, die in Form und Inhalt nicht veränderte ZAW-Maßnahme um ein Jahr zu verschieben. Das generelle Ausplanungsbegehren des Antragstellers, das er sinngemäß auch in der Begründung seines Umplanungsantrags als grundsätzliches Rechtsschutzziel zum Ausdruck gebracht und im Schriftsatz seines Bevollmächtigten vom 9. Mai 2018 bekräftigt hat, ist weiterhin nicht positiv beschieden und bildet den nicht erledigten Streitgegenstand des Verfahrens.

19 b) Bei der angefochtenen Ablehnung der Ausplanung und bei der angestrebten Ausplanung handelt es sich jeweils um eine dienstliche Maßnahme im Sinne des § 17 Abs. 3 WBO. Gemäß § 17 Abs. 3 Satz 1 WBO kann mit dem Antrag auf gerichtliche Entscheidung nur geltend gemacht werden, dass eine dienstliche Maßnahme oder deren Unterlassung rechtswidrig sei. Merkmal einer Maßnahme in diesem Sinne ist (unter anderem), dass sie unmittelbar gegen den Soldaten gerichtet ist oder - obwohl an andere Soldaten gerichtet - in Form einer Rechtsverletzung oder eines Pflichtenverstoßes in seine Rechtssphäre hineinwirkt. Überlegungen, Bewertungen, Stellungnahmen oder Zwischenentscheidungen, die lediglich der Vorbereitung von truppendienstlichen Maßnahmen oder Personalmaßnahmen dienen, sind hingegen als Elemente innerdienstlicher Willens- und Meinungsbildung noch keine die Rechte eines Soldaten unmittelbar berührenden Maßnahmen; sie sind infolgedessen einer selbstständigen gerichtlichen Nachprüfung nicht zugänglich (stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüsse vom 23. Oktober 2012 - 1 WB 59.11 - Buchholz 450.1 § 17 WBO Nr. 84 Rn. 27 m.w.N. und vom 26. November 2015 - 1 WB 39.15 - Buchholz 450.1 § 17 WBO Nr. 93 Rn. 22).

20 Die Ablehnung der Ausplanung aus der ZAW-Fortbildung stellt hiernach keine lediglich vorbereitende Maßnahme der personalbearbeitenden Stelle dar, sondern die verbindliche Bestätigung einer bereits inhaltlich und terminlich feststehenden Planung, den betroffenen Soldaten zu einer bestimmten ZAW-Fortbildungsmaßnahme zu verfügen. Daher muss ein betroffener Soldat - wie hier der Antragsteller - nicht die gemäß Nr. 618 2. Spiegelstrich ZDv A- 225/1 vom Bundesamt für das Personalmanagement - IV 2.5 - veranlasste Kommandierungsverfügung abwarten. Gemäß Nr. 617 ZDv A-225/1 und nach Nr. 4 der "Gemeinsamen Arbeitshilfen und Informationen für die Personalbearbeitung der Abteilungen III und IV des BAPersBw / Zivilberufliche Fortbildung" (im Folgenden: GAIP) entscheidet das Bundesamt für das Personalmanagement über Anträge zu einer Ausplanung aus der ZAW-Fortbildung. Da ein Antrag auf Ausplanung nach Nr. 4 GAIP grundsätzlich nur positiv beschieden werden kann, wenn er mindestens ein Jahr vor Beginn der Maßnahme gestellt wird, ist es dem betroffenen Soldaten im Sinne eines effektiven Rechtsschutzes nicht zuzumuten, die konkrete Kommandierungsverfügung abzuwarten, um erst dann gegen die Ablehnung der Ausplanung vorzugehen. Auch die vom Antragsteller angestrebte Ausplanung ist eine dienstliche Maßnahme, bei deren Unterlassung gemäß § 17 Abs. 3 Satz 1 WBO ein (Verpflichtungs-)Antrag auf gerichtliche Entscheidung zulässig ist. Mit der Ausplanung legt die personalbearbeitende Stelle für den Einzelfall verbindlich fest, dass sie von der regulär für den betroffenen Soldaten vorgesehenen ZAW-Maßnahme und damit von seiner Verwendungsänderung ohne Einschränkung Abstand nimmt.

21 2. Der Antrag ist jedoch unbegründet. Die angefochtenen Bescheide sind rechtmäßig und verletzen den Antragsteller nicht in seinen Rechten. Dieser hat keinen Anspruch auf Ausplanung aus der ZAW-Maßnahme oder auf Neubescheidung seines Ausplanungsantrags.

22 Nach ständiger Rechtsprechung des Senats hat ein Soldat grundsätzlich keinen Anspruch auf eine bestimmte örtliche oder fachliche Verwendung. Dies gilt auch für die Entscheidung über die Ausbildung eines Soldaten. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Ausbildung handelt, die ihre Grundlage in den laufbahnrechtlichen Vorschriften nach § 27 SG und der darauf beruhenden Soldatenlaufbahnverordnung hat, oder ob es um eine verwendungsbezogene Ausbildung geht. Zu den Ausbildungen, die ihre Grundlage in den laufbahnrechtlichen Vorschriften finden, gehört auch die Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung der Soldatinnen und Soldaten auf Zeit (BVerwG, Beschlüsse vom 15. Dezember 2009 - 1 WB 26.09 - Rn. 18 und vom 22. Juni 2017 - 1 WB 15.17 - juris Rn. 27).

23 Über die Verwendung eines Soldaten - hier über die Ausplanung aus einer ZAW-Maßnahme - entscheidet der zuständige Vorgesetzte oder die zuständige personalbearbeitende Stelle nach pflichtgemäßem Ermessen (stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüsse vom 25. September 2002 - 1 WB 30.02 - Buchholz 236.1 § 3 SG Nr. 30 S. 24 m.w.N. und vom 22. Juni 2017 - 1 WB 15.17 - juris Rn. 28). Diese Ermessensentscheidung kann vom Wehrdienstgericht nur darauf überprüft werden, ob der Vorgesetzte oder die personalbearbeitende Stelle den Soldaten durch Überschreiten oder Missbrauch dienstlicher Befugnisse in seinen Rechten verletzt (§ 17 Abs. 3 Satz 2 WBO) bzw. die gesetzlichen Grenzen des ihm bzw. ihr zustehenden Ermessens überschritten oder von diesem in einer dem Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht hat (§ 23a Abs. 2 Satz 1 WBO i.V.m. § 114 VwGO). Die gerichtliche Überprüfung richtet sich auch darauf, ob die vom Bundesministerium der Verteidigung im Wege der Selbstbindung in Erlassen und Richtlinien festgelegten Maßgaben und Verfahrensvorschriften eingehalten sind (vgl. BVerwG, Beschluss vom 27. Februar 2003 - 1 WB 57.02 - BVerwGE 118, 25 <27>), wie sie sich hier insbesondere aus dem Zentralerlass (ZE) B-1300/46 "Versetzung, Dienstpostenwechsel, Kommandierung", der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) A-225/1 "Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung der Soldatinnen auf Zeit und der Soldaten auf Zeit im Rahmen der militärfachlichen Ausbildung", der "Weisung für die Umsetzung der Konzeption 'Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung der Soldatinnen auf Zeit und der Soldaten auf Zeit im Rahmen der militärfachlichen Ausbildung (ZAW)' für Soldatinnen und Soldaten in der Laufbahngruppe der Unteroffiziere in der Marine" vom 23. Juli 2010 sowie aus den diese Bestimmungen ausfüllenden Vorgaben der bereits zitierten GAIP ergeben.

24 Nach diesen Maßstäben ist die Ablehnung der Ausplanung des Antragstellers aus der ZAW-Maßnahme rechtlich nicht zu beanstanden.

25 Gemäß Nr. 617 ZDv A-225/1 und Nr. 4 GAIP entscheiden die personalführenden Referate der Abteilung IV des Bundesamts für das Personalmanagement über Anträge zu einer Ausplanung aus der ZAW-Fortbildung einzelfallbezogen und abschließend.

26 Grundsätzlich sind Maßnahmen der Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung integraler Bestandteil der militärfachlichen Ausbildung, die sich am militärischen Bedarf orientieren (Nr. 301 ZDv A-225/1). Gemäß Nr. 3.2 der zitierten Weisung vom 23. Juli 2010 sind Bootsmänner in der Laufbahn der Feldwebel des allgemeinen Fachdienstes besonders qualifizierte Spezialisten (militärische Meisterebene), dabei aber stets auch militärische Vorgesetzte, die die ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten führen, anleiten, beaufsichtigen und ausbilden. Die Verwendungen in dieser Laufbahn erfordern nach der Weisung einen staatlich anerkannten, militärisch verwertbaren zivilen Berufsabschluss auf Gesellenebene und eine militärfachliche Qualifizierung zur militärischen Meisterebene. Die Zuordnung der Meisterebene zur Laufbahn der Feldwebel des allgemeinen Fachdienstes spiegelt sich normativ auch in § 17 Abs. 2 Nr. 1a SLV (vgl. ferner Amtliche Begründung zum "Entwurf eines Gesetzes zur Neuausrichtung der Bundeswehr" vom 10. September 2001, BT-Drs. 14/6881 Seite 28). Nr. 5.1 Abs. 3 der Weisung unterscheidet zwischen "zwingenden" und "maßgeblichen" zivilberuflichen Fortbildungen. Für die Verwendungsreihen des allgemeinen Fachdienstes im Organisationsbereich Marine, dem der Antragsteller angehört, ist die zivilberufliche Fortbildung "maßgeblich", wenn durch sie Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Wahrnehmung der militärfachlichen Aufgaben entscheidend verbessert werden.

27 Zutreffend und ohne Rechtsfehler ist hierzu in den angefochtenen Bescheiden ausgeführt, dass die Qualifizierung zur Meisterebene in diesem Sinne grundsätzlich Bestandteil der Fortbildung der Feldwebel des allgemeinen Fachdienstes der Bundeswehr ist. Zur Frage der "Maßgeblichkeit" der in Rede stehenden Fortbildung wird in den Bescheiden dargelegt, dass sie die Effektivität und die Auftragserfüllung auf dem Dienstposten des Antragstellers uneingeschränkt verbessere und dass die erworbenen Inhalte der Meisterausbildung hilfreich für eine mögliche Neuqualifizierung auf dem neuen Waffensystem NH 90 "Sea Lion" seien. In der Senatsvorlage hat das Bundesministerium der Verteidigung in zulässiger Ergänzung dieser Ermessenserwägungen (§ 23a Abs. 2 Satz 1 WBO i.V.m. § 114 Satz 2 VwGO) unterstrichen, dass für einen möglichen Einsatz des Antragstellers in einer Lehrverwendung die Inhalte der ZAW-Fortbildung nahezu unverzichtbar seien. Damit besteht für die Teilnahme des Antragstellers an der ZAW-Fortbildung zum "Industriemeister-Luftfahrttechnik" ein dienstliches Interesse.

28 Gegen diese sachlich begründete Annahme des dienstlichen Interesses, für die es im Ausgangspunkt auf die Einschätzung des Dienstherrn, nicht auf die des Antragstellers ankommt (dazu BVerwG, Beschluss vom 24. Januar 2017 - 1 WDS-VR 8.16 - Rn. 28), bestehen keine durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Zu dem pauschalen, nicht mit konkreten Namen belegten Einwand des Antragstellers, dass in seiner Dienststelle mehr als zehn andere Soldaten mit demselben Dienstgrad und mit vergleichbaren Aufgaben wie er selbst beschäftigt seien, ohne den Lehrgang besucht zu haben, hat das Bundesministerium der Verteidigung ausgeführt, dass in den letzten Monaten lediglich ein Soldat aus der ZAW-Maßnahme ausgeplant worden sei, weil dieser bereits über die höherwertige Ausbildung eines Technikers verfüge; grundsätzlich könne jedoch nicht bestätigt werden, dass die anderen Soldaten nicht für den Lehrgang vorgesehen seien. Diesem nachvollziehbaren und mit dem Hinweis auf die beschränkten Lehrgangskapazitäten plausibel dargelegten Vorbringen ist der Antragsteller nicht entgegengetreten. Somit ist der für die Fortbildung angeführte Grundsatz der Qualifizierung zur Meisterebene nicht in Frage gestellt. Dass der Antragsteller sich selbst für seinen derzeitigen Dienstposten für hinreichend ausgebildet und qualifiziert hält, ist insoweit ohne Relevanz.

29 Die Ablehnungsentscheidung leidet auch nicht an einer fehlerhaften Ermessensausübung. Insbesondere sind die persönlichen Belange des Antragstellers hinreichend berücksichtigt worden. Zwar hat das Bundesamt für das Personalmanagement für den nunmehr neu festgelegten Lehrgangszeitraum vom 1. Februar 2020 bis zum 31. Januar 2021 noch keine Kommandierungsanordnung veranlasst. Es hat jedoch zugunsten des Soldaten die Bestimmungen des Zentralerlasses B-1300/46 entsprechend angewandt, weil gemäß Nr. 618 2. Spiegelstrich ZDv A-225/1 die Planung der ZAW-Fortbildung in eine Kommandierung von mehr als sechs Monaten mündet und weil dafür nach Nr. 701 Satz 1 ZE B-1300/46 dessen Bestimmungen sinngemäß gelten.

30 Schwerwiegende persönliche Gründe im Sinne von Nr. 203 bis 206 ZE B-1300/46 hat der Antragsteller nicht vorgetragen; solche sind auch nicht ersichtlich. Insbesondere stellen die geplante Familiengründung und die sich aufgrund des Lehrgangs ergebende Abwesenheit von seinem Wohnort keine schwerwiegenden persönlichen Gründe im Sinne dieser Vorschriften dar.

31 Die vom Antragsteller vorgetragenen anderen Gründe im Sinne von Nr. 207 ZE B-1300/46 hat das Bundesministerium der Verteidigung im Beschwerdebescheid zur Kenntnis genommen und gewürdigt. Es hat dabei die Erklärung des Antragstellers, dass er im Rahmen des Berufsförderungsdienstes ein Studium aufnehmen wolle und sich bei einer Teilnahme am Meister-Lehrgang sein Berufsförderungsanspruch im zeitlichen Umfang reduziere, als grundsätzlich nachvollziehbar anerkannt, jedoch verneint, dass sich die vorgetragenen persönlichen Gründe mit den dienstlichen Belangen in Einklang bringen ließen. Hinsichtlich der Besorgnis des Antragstellers, bei einer möglichen Betrachtung für die Übernahme in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten Nachteile zu erleiden, hat das Bundesministerium der Verteidigung darauf hingewiesen, dass sich die abgeschlossene Meisterausbildung in einer entsprechenden Auswahlkonferenz positiv auswirken könne. Auch diese Erwägungen sind rechtlich nicht zu beanstanden. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass nicht nur die jederzeitige Versetzbarkeit, sondern - wie hier - auch die Möglichkeit der Kommandierung zu dienstlich erforderlichen Lehrgängen zu den freiwillig übernommenen Pflichten und zum prägenden Inhalt des Wehrdienstverhältnisses gehört und daraus resultierende Beeinträchtigungen persönlicher Belange hinzunehmen sind (Nr. 103 Satz 1 und 2, hier i.V.m. Nr. 701 Satz 1 ZE B-1300/46).

32 Soweit der Antragsteller einwendet, dass seine Fortbildung zum "Industriemeister-Luftfahrttechnik" für die Wahrnehmung seiner Aufgaben auf seinem Dienstposten nicht notwendig sei, verkennt er, dass die Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung im Rahmen der militärfachlichen Ausbildung vorrangig dem Ziel dient, die Auftragserfüllung und Effektivität auf dem Dienstposten zu verbessern (Nr. 201 Satz 1 ZDv A-225/1); auch insoweit kommt es maßgeblich auf die Einschätzung des Dienstherrn - und nicht des Soldaten - an, welche Qualifikationen er im Rahmen seines organisatorischen und personalwirtschaftlichen Ermessens für erforderlich hält (vgl. - auch zum Folgenden - BVerwG, Beschluss vom 24. Januar 2017 - 1 WDS-VR 8.16 - Rn. 32). Der Antragsteller wird durch die ZAW-Maßnahme nicht gehindert, im Anschluss an den Wehrdienst ein Maschinenbaustudium anzustreben; die Anrechnung der strittigen ZAW-Fortbildung auf den Berufsförderungsanspruch führt lediglich dazu, dass dieser im Umfang der Anrechnung möglicherweise nicht mehr die Studienzeit abdeckt, sodass der Antragsteller sich insoweit - wie andere Studenten - selbst um sein Auskommen kümmern muss. Dies stellt eine zumutbare, vom Antragsteller hinzunehmende Folge des Zusammenspiels von Zivilberuflicher Aus- und Weiterbildung während des Dienstes und Berufsförderungsanspruch am Ende der Dienstzeit dar. Die Anrechnung nach § 5 Abs. 6 SVG hat ihren Grund darin, dass der Soldat durch die ZAW-Maßnahme einen auch im zivilen Leben nutzbaren Fortbildungsvorteil erhält. Zu dem Einwand des Antragstellers, die vorgesehene Bildungsmaßnahme beeinträchtige durch die für ihn damit einhergehende längere zeitliche Abwesenheit die Wahrnehmung der Aufgaben auf seinem Dienstposten und er verliere dadurch seinen erworbenen Status "Maintenance Ready", hat das Bundesministerium der Verteidigung darauf hingewiesen, dass dies ganz bewusst in Kauf genommen werde. Auch diesbezüglich kommt es maßgeblich auf die Einschätzung des Dienstherrn - und nicht auf die des Soldaten - an.