Verfahrensinformation

**Abschiebungsanordnung gegen islamistischen Gefährder **

Der Kläger ist ein in Deutschland geborener und aufgewachsener 28-jähriger türkischer Staatsangehöriger.

Im Oktober 2017 ordnete das Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein nach § 58a AufenthG die Abschiebung des Klägers in die Türkei an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Kläger sei dem islamistischen Spektrum zuzurechnen und sympathisiere mit der terroristischen Vereinigung Islamischer Staat (IS). Er unterhalte engen Kontakt zu weiteren Personen aus diesem Spektrum. Seine ideologische Überzeugung bewerbe und verbreite er in sozialen Netzwerken. Zudem habe er einen Hang zu Waffen aller Art. Er befürworte die öffentliche Gewalt gegen „Ungläubige“ und rufe zu Anschlägen auf. Daraus ergebe sich die auf Tatsachen gestützte Prognose, dass von dem Kläger eine terroristische Gefahr ausgehe. Abschiebungsverbote seien nicht ersichtlich.

Nach Ablehnung eines Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz durch das bei Klagen gegen Abschiebungsanordnungen nach § 58a AufenthG in erster und letzter Instanz zuständige Bundesverwaltungsgericht (Beschluss des Senats vom 16. Januar 2018 - BVerwG 1 VR 12.17) wurde der Kläger in die Türkei abgeschoben. Mit seiner Klage begehrt er die Aufhebung der Abschiebungsanordnung. U.a. macht er geltend, von ihm gehe keine Gefahr aus. Die der Prognose zugrunde liegenden Tatsachen seien nicht belastbar.

Pressemitteilung Nr. 55/2018 vom 21.08.2018

Bundesverwaltungsgericht bestätigt schleswig-holsteinische Abschiebungsanordnung gegen einen türkischen Gefährder

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute die Klage eines islamistischen Gefährders gegen eine Abschiebungsanordnung des Ministeriums für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein abgewiesen.


Das Ministerium hatte im Oktober 2017 die Abschiebung des 1989 in Deutschland geborenen türkischen Staatsangehörigen gemäß § 58a Aufenthaltsgesetz (AufenthG) angeordnet. Nachdem ein Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz keinen Erfolg hatte, wurde er Ende Januar 2018 in die Türkei abgeschoben. Das bei Abschiebungsanordnungen nach § 58a AufenthG in erster und letzter Instanz zuständige Bundesverwaltungsgericht hat die Anordnung heute auch im Klageverfahren als rechtmäßig bestätigt.


Nach § 58a AufenthG kann ein Ausländer zur Abwehr einer besonderen Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder einer terroristischen Gefahr ohne vorherige Ausweisung abgeschoben werden. Für die hierfür erforderliche, auf Tatsachen gestützte Gefahrenprognose bedarf es einer Bedrohungslage, bei der sich das vom Ausländer ausgehende Risiko einer sicherheitsgefährdenden oder terroristischen Tat jederzeit aktualisieren und in eine konkrete Gefahr umschlagen kann. Diese Voraussetzungen sieht der Senat im Fall des Klägers auch nach neuerlicher Überprüfung auf der Grundlage einer Gesamtschau vielfältiger Anhaltspunkte und Indizien als erfüllt an. Der Kläger gehörte seit längerem der radikal-islamistischen Szene in Deutschland an, sympathisierte offen mit der terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" und unterhielt umfangreiche Kontakte zu anderen Islamisten. Auf seinen Smartphones war eine Vielzahl von Mediendateien mit gewaltverherrlichenden, menschenverachtenden Inhalten gespeichert. Mit eigenen Beiträgen in sozialen Medien hat er aktiv zur Radikalisierung anderer Nutzer beigetragen. Ein weiterer Hinweis auf eine erhebliche Gewaltbereitschaft war darin zu sehen, dass der Kläger immer wieder Waffen verschiedenster Art mit sich führte und zu Hause aufbewahrte.


Abschiebungsverbote standen der Abschiebung nicht entgegen. Der Senat hat an seiner im vorläufigen Rechtsschutzverfahren getroffenen Einschätzung festgehalten, dass dem Kläger in der Türkei im Zeitpunkt der Abschiebung insbesondere keine Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung (Art. 3 EMRK) gedroht hat. Es war nicht beachtlich wahrscheinlich, dass er in der Türkei wegen der in Deutschland gegen ihn - auch in einem Strafverfahren - erhobenen Vorwürfe inhaftiert werden würde. Auch war nicht davon auszugehen, dass ihm eine Bestrafung wegen beabsichtigter, in der Türkei nicht vorgesehener Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen drohen würde. Die Absicht einer Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen war unter den vorgenannten Umständen schon nicht glaubhaft.


Urteil vom 21. August 2018 - BVerwG 1 A 16.17 -